Ein exogener Schock mit globaler Dimension: Die Rolle der Banken im Kampf um Covid-19


Die aktuelle Lage stellt ein Novum in der Wirtschaftsgeschichte dar. Noch nie mussten so konkrete und gravierende Maßnahmen binnen so kurzer Zeit getroffen werden, um einen möglichen Kollaps der Wirtschaft zu verhindern.  Eine Pandemie, die eine Kettenreaktion in der gesamten Weltwirtschaft zur Folge hat und deren Verlauf nur vage abschätzbar ist, animiert alle Staaten und Regierungen zum Handeln.

Das deutsche Covid 19-Rettungsprogramm ist bereits geschnürt und die Inhalte haben ein klares Ziel: Die Unterstützung der Wirtschaft und betroffener Unternehmen muss durch umfassende Maßnahmen wie Kurzarbeiterregelungen, Liquiditätshilfen, Bürgschaften, Steuerstundungen und Soforthilfen sichergestellt werden. Betroffene Unternehmen sowie die gesamte Realwirtschaft müssen vor schwerwiegenden Folgen geschützt werden, damit eine bereits zu beobachtende Rezession keinen langfristigen Verlauf nimmt – darin sind sich alle einig.

„Wir legen alle Waffen auf den Tisches gibt keine Grenze nach oben bei der Kreditsumme, die die KfW vergeben kann.“

Bundesfinanzminister Olaf Scholz 

So sollen im Rahmen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesregierung* zügig großvolumige Hilfen in die Wirtschaft fließen, die mit Liquiditätshilfen über die KfW Sonderprogramme in den Wirtschaftskreislauf zu führen sind. Das Milliarden-Hilfsprogramm zielt darauf ab Unternehmen, Selbständige und Freiberufler mit Liquidität zu versorgen.  Der Fonds enthält:

  • 100 Milliarden Euro für Kapitalmaßnahmen
  • 400 Milliarden Euro für Bürgschaften
  • Mit bis zu 100 Milliarden Euro kann der Fonds bereits beschlossene KfW-Programme refinanzieren

Die Kredite an größere Unternehmen werden zur 80 Prozent vom Staat gedeckt, bei kleineren und mittleren Firmen werden bis zu 90 Prozent des Ausfallrisikos übernommen. Die Darlehen kommen von der staatlichen Förderbank KfW und müssen über die Hausbanken an die Firmen weitergereicht werden. Bereits in den ersten eineinhalb Tagen seit Start des Sonderprogramms seien Anträge im Volumen von fast zwei Milliarden Euro gestellt. Ein weiteres, unbegrenztes Volumen verschiedener Kreditprogramme wurde  zugesichert. Die Nachfrage nach Krediten ist ersten Berichten zu Folge riesig, ein anhaltender Andrang absehbar.

 Zusätzlich zu den staatlichen Maßnahmen der Bundesregierung sind auch weitere Stützen im Rahmen des  Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) möglich, um die Kreditversorgung zu erleichtern. Dieser hat momentan 60 Milliarden Euro vorgesehen, um notfalls Banken direkt zu kapitalisieren und dadurch ihre Ausstattung zu stützen. Eine Aufstockung dieser Summe um ein Vielfaches wird nicht ausgeschlossen.

Die reibungslose Umsetzung und Sicherstellung der Abwicklung ist ein kritischer Erfolgsfaktor und steht unter strenger Beobachtung der Regulatorik. Die Finanzaufsicht hat in der Corona-Krise einem Medienbericht zufolge die Überwachung der Liquidität von Banken verschärft.** Die größten systemrelevanten Institute der Eurozone müssen der EZB-Bankenaufsicht täglich in Telefonkonferenzen ihre Liquiditätskennziffern sowie ihre internen Planungen zur Steuerung der flüssigen Mittel durchgeben.

„Es kommt jetzt darauf an, den Unternehmen schnell und unbürokratisch zu helfen. Eine wichtige Säule ist der Zugang zu Liquidität.“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

Der Druck auf Banken, die Durchdringung dieser Maßnahmen zur Stabilisierung des Gesamtsystems zu unterstützen, ist enorm. Sie sind systemkritisch für die Kontrolle und dem wirkungsvollen Umgang mit der Covid-19 Krise. In ihrer Rolle als Finanzintermediäre gewährleisten sie die Sicherstellung der reibungslosen Liquiditätsversorgung der Wirtschaft und tragen somit für die Wirksamkeit der wirtschaftspolitischen Maßnahmen eine besondere Verantwortung. Ob in der Bereitstellung der staatlich geförderten Kredite, die Stundung von Tilgungszahlungen oder die schnelle Bearbeitung von Anträgen – die operativen Herausforderungen mit denen Banken aktuell konfrontiert sind, stellen für sie eine bis dato unbekannte Situation dar. Die Herausforderungen beschränken sich dabei nicht nur auf die Unterstützung der wirtschaftspolitischen Maßnahmen.

Denn Covid-19 stellt für alle Betroffenen ein plötzliches Ereignis dar, das sämtliche Bereiche der Wirtschaft „schockiert“ und auf das sie nicht sofort reagieren können. Auch Banken stehen nun mit der Corona-Krise vor einem sog. „exogenen Schock“, der weder Zeit noch Signale für eine Vorbeitung und Antizipation einer Lage in diesem Ausmaß zugelassen hat. Mit gravierenden Herausforderungen die es u.a. zu stemmen gilt:

  • Umstellung der Arbeitsorganisation der Banken von Präsenz auf Remote zum Schutz der allgemeinen Gesundheit und Eindämmung der Pandemie, einhergehend mit immensem Druck auf die Umsetzungsgeschwindigkeit
  • Stabilisierung des Bankbetriebs, inkl. Sicherstellung der Lieferketten für reibungslose Abwicklung kritischer Projekte und Maßnahmen
  • Umsetzung der staatlichen Hilfsprogramme zur Liquiditätsversorgung der Wirtschaft, einhergehend mit einer Flut von Bearbeitungs- und Umsetzungsaufwänden.

Banken werden in dieser Krise und ihrer Bewältigung eine tragende Rolle haben. Auch wenn die  langfristigen Folgen von Covid-19 noch nicht prognostizierbar sind, steht jetzt schon fest, dass Banken einen erheblichen Beitrag dazu leisten können die Wirksamkeit der Maßnahmen zu erhöhen. Die zeitkritische und angemessene Lösung der einhergehenden Herausforderungen, wird ein gravierender Erfolgsfaktor sein.

 

Quellen:
* Bundesfinanzministerium, Corona-Schutzschild 
** Handelsblatt