Make it last: Anforderungen an eine nachhaltige Finanzwirtschaft


Am 08. März 2018 gab die Europäische Kommission mit dem EU-Aktionsplan Sustainable Finance ihren Beitrag im Sinne der Nachhaltigkeit bekannt, der erstmals die Finanzwirtschaft als solche mit konkreten Aspekten der Klima- und Energieverpflichtungen verknüpfte. In ihrer Mitteilung adressierte die Kommission Themen, die Finanzministerien, Finanzaufsichtsbehörden und allen voran Finanzinstitute jeglicher Art gleichermaßen in die Pflicht nimmt und legte damit den Grundstein für die Finanzierung nachhaltigen Wachstums.  Besonders Finanzinstitute und Unternehmen stehen vor der Herausforderung, nachhaltige Geschäftsmodelle möglichst zügig zu etablieren. Was ist dabei zu beachten?

Der Aktionsplan Sustainable Finance

Der EU-Aktionsplan signalisierte maßgebend den Startpunkt für zahlreiche Regulierungsvorhaben. Im Kern der Bemühungen steht seither die Aufgabe, den Kapitalmarkt, die Industrie und die Gesellschaft im Kontext der Nachhaltigkeit zu verbinden.

Die drei Ziele des Aktionsplans

Zum einen sollen Kapitalströme zu nachhaltigen Investitionen umgelenkt, zum anderen das Thema Nachhaltigkeit als solches in das Risikomanagement einbezogen und zu guter Letzt Transparenz und Langfristigkeit insgesamt gefördert werden.

Die zehn Maßnahmen des Aktionsplans Sustainable Finance

  1. Einführung eines EU-Klassifikationssystems für nachhaltige Tätigkeiten (höchste Priorität)
  2. Normen und Kennzeichen für umweltfreundliche Finanzprodukte
  3. Förderung von Investitionen in nachhaltige Projekte
  4. Berücksichtigung der Nachhaltigkeit in der Finanzberatung (Priorität)
  5. Entwicklung von Nachhaltigkeitsbenchmarks
  6. Bessere Berücksichtigung der Nachhaltigkeit in Ratings und Marktanalysen
  7. Klärung der Pflichten institutioneller Anleger und Vermögensverwalter (Priorität)
  8. Berücksichtigung der Nachhaltigkeit in den Aufsichtsvorschriften
  9. Stärkung der Vorschriften zur Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen und zur Rechnungslegung
  10. Förderung einer nachhaltigen Unternehmensführung und Abbau von kurzfristigem Denken auf den Kapitalmärkte

Die Bedeutung für europäische Finanzinstitute

Für europäische Finanzinstitute wächst somit der Druck, schnellstmöglich interne und externe Prozesse in Sachen Nachhaltigkeit zu hinterfragen: Erstens können kritische Umwelt- und Klimaveränderungen signifikante Folgen für die Gesellschaft nach sich ziehen – und damit natürlich auch für die Finanzbranche (beispielsweise auf Versicherer). Zweitens erhöht sich das Risiko sogenannter „Stranded Assets“ durch die Stigmatisierung bestimmter Technologien oder ethische Veränderungen, die zu horrenden Wertverlusten der Aktiva führen. Drittens führen nicht erfüllte Anforderungen zu regulatorischen und aufsichtlichen Feststellungen. Derartige Verstöße werden immer höher sanktioniert, das reicht von Strafzahlungen bis hin zur Aberkennung der Geschäftsbefähigung von Geschäftsleitern.

Die Umsetzung des Aktionsplans

Selbstverständlich können nicht alle Maßnahmen zeitgleich umgesetzt werden. Die EU-Kommission stuft die Entwicklung der EU-Taxonomie als bedeutend und dringlich ein und verfolgt die Umsetzung mit Nachdruck. Durch einheitliche Definitionen werden nachhaltige Investitionen vergleichbar. Die EU-Taxonomie ist damit die Grundlage für Maßnahmen wie Normsetzung, Kennzeichnung, Feinabstimmung aufsichtsrechtlicher Anforderungen und Verwendung von Low-Carbon-Benchmarks.
Darüber hinaus ergänzt die EU-Taxonomie die Umsetzung von Maßnahmen wie Offenlegung von Unternehmensabgaben oder Bereitstellung von Finanzberatung. Die beaufsichtigten Institute und Unternehmen sind somit angehalten ihre eigenen Umsetzungs- und Vorgehensmodelle zu überprüfen und anzupassen.

Die Rolle des Finanzsektors

Der Kommission ist bewusst, dass der Finanzsektor bei der Verwirklichung dieser grundlegenden umwelt- und sozialpolitischen Ziele eine Schlüsselrolle spielt, da für einen solchen Wandel große Mengen privaten Kapitals mobilisiert werden müssen. Die Europäische Union kann diesen langfristigen Wandel jedoch nicht allein herbeiführen.

Weitere Schritte und Ausblick

Um diesen Wandel anzustoßen und durchsetzen zu können, bedarf es weltweiter koordinierter Anstrengungen. Indem sie mit diesem Aktionsplan eine Messplatte für Strategien zugunsten eines nachhaltigen Finanzwesens vorgibt, ruft die Kommission andere Akteure, darunter die Mitgliedstaaten, Aufsichtsbehörden, den privaten Sektor und größere Drittländer dazu auf, entscheidende Maßnahmen zur Förderung des Wandels in ihren jeweiligen Bereichen zu ergreifen und dabei eine führende Rolle zu übernehmen.
Gelingt das und kann gleichzeitig eine Überregulierung abgewendet werden, ist der Weg für ein starkes, nachhaltiges Finanzwesen geebnet.

Der Weg in die Nachhaltigkeit

Auch wenn die Etablierung eines nachhaltigen Geschäftsmodells naheliegend ist, stellt sich die Frage nach dem „wie“ meist als etwas komplizierter heraus. Klassischer Weise starten viele Unternehmen mit einem Assessment bzw. einem Workshop. Hier wird der aktuelle Stand hinterfragt, Meilensteine festgelegt und ein Aktionsplan entwickelt, um eine angemessene Umsetzung und Dokumentation zu gewährleisten.