Konferenz zeigt gemeinsame Zukunftsmodelle für IT und Industrie


„Nicht einfach drauflos digitalisieren“ – diesen Rat gibt Prof. Markus Hesse seinen Zuhörern gern, zuletzt im voll besetzten Workshopraum 2 der D2i Conference. Gemeinsam mit GFT informierte er dort über die Chancen und Risiken digitaler Geschäftsmodelle. Für GFT war die Konferenz am 21. November 2019 in Bielefeld der erste größere öffentliche Auftritt der noch jungen Industry-Sparte.

Die D2i bezeichnet sich als Impulsgeber, Wissensplattform, Ideenschmiede und Networking-Event. Dementsprechend war der 21. November reich gefüllt mit Vorträgen und Präsentationen von digitalen Vorreitern und Vertretern führender Industrieunternehmen. GFT zeigte sein Portfolio in der „Area Industrial Innovation“, umgeben von Drohnen und Roboterarmen. Auch am GFT Stand selbst war hoch moderne Industrie 4.0-Technologie zu bestaunen: Der Entwicklungspartner TRUMPF hatte ein innovatives System zur Indoor-Lokalisierung mitgebracht.   

Nur eine Ecke weiter im Bereich „Smart Factory“ präsentierte mit der Firma in integrierte informationssysteme GmbH ein weiterer enger Kooperationspartner von GFT seine Leistungen. Zu sehen gab es verschiedene Usecases der IoT-Plattform „sphinx open online“, beispielsweise eine Lösung für das Energiemanagement am Flughafen Stuttgart: Per Knopfdruck sehen die Mitarbeiter auf ihrem mobilen Device, wie viel Strom die Photovoltaikanlage produziert, wie viel Heizöl verbraucht wird und ob die Gepäckförderanlage einwandfrei funktioniert. Auch das Yard-Management eines großen Logistikers oder 3D-Visualisierungen im Rahmen einer Smart Electronic Factory ließen sich praxisnah nachvollziehen – immer verbunden mit dem großen USP der in-GmbH: einer automatischen rollenspezifischen Informationsbereitstellung.

Besonders gut besucht waren die zahlreichen Vorträge, die im Rahmen der D2i-Konferenz stattfanden. GFT beteiligte sich mit dem spannenden Thema „Gewinn versus Scheitern mit digitalen Geschäftsmodellen.“ Die zentrale Frage bei diesem Ansatz: Wie kann ich vorher herausfinden, welches Produkt funktionieren wird? Carsten Weber von GFT und Prof. Dr. Markus Hesse von der FOM Hochschule für Oekonomie & Management Stuttgart sehen die Antwort im „Digitalization Business Modeler“ (DBM), den Hesse mit seiner Firma Rightsourcing GmbH entwickelt hat.

Im vorgestellten Beispiel wurden mit der Methode zwei Geschäftsmodelle untersucht, eine intelligente Verpackung, die die Frische von Lebensmitteln überwacht und ein Indoor-Tracking-System, ähnlich dem am GFT Stand präsentierten. Die Analyse der Geschäftsmodelle geht in drei Schritten vor sich: Im ersten Schritt müssen zunächst die wichtigsten sogenannten Value-Treiber identifiziert werden, im konkreten Fall etwa Prozessoptimierung, Qualitätsverbesserung und Arbeitsersparnis. Dann geht es darum die besten Technologiekonzepte dafür zu finden und für verschiedene Rollen zu bewerten, welche Value-Treiber durch die neue Lösung positiv beeinflusst würden.

Im zweiten Schritt prüfen die Experten, für welche Industrien ein Geschäftsmodell interessant ist. Dafür haben sie etwa 60 Attraktivitätskriterien aufgestellt. So soll das lohnendste Branchenteilsegment für das untersuchte digitale Geschäftsmodell gefunden werden. Im dritten Schritt schließlich werden die Fähigkeiten zur Umsetzung der Idee unter die Lupe genommen, unter anderem anhand einer Value Chain-Analyse. Wenn all diese Parameter erhoben sind, rechnet der DBM alles durch und erstellt verschiedene Charts – für das Management beispielsweise in einer anschaulichen Cockpit-Darstellung. Bei den eingangs skizzierten Innovationen hat nach dieser Analyse nur das Indoor-Tracking-System eine Chance auf Erfolg.

Die Zuhörer reagierten mit zahlreichen interessierten Wortmeldungen auf den Vortrag, darunter Fragen wie diese: Wie aufwändig ist der DBM in der Anwendung? Antwort: Ein Unternehmen muss etwa 20 Manntage für die komplette Analyse einplanen. Welche Teammitglieder braucht man für ein solches Projekt? Antwort: CEO, CIO und einige Fachexperten, die mit standardisierten Fragebögen ausgestattet werden. Ab welcher Unternehmensgröße lohnt sich der Einsatz des DBM? Antwort: Für Maschinenbauer und andere Industrieunternehmen ab einem Jahresumsatz von etwa 500.000 Euro. Das abschließende GFT-Fazit brachte die wichtigste Erkenntnis auf den Punkt: „Der Einstieg in ein neues Geschäftsmodell darf nicht von der Technologie ausgehen, sondern immer vom Usecase – vom Mehrwert für den Kunden.“