Future Banking: Der erfolgreiche Einstieg in die Plattform-Ökonomie (Teil 2)


Digitale Ökosysteme verändern Wertschöpfungsketten und lassen neue entstehen. Auch die Finanzbranche muss Plattform-Strategien entwickeln. Eine gut vernetzte Banking-App mit attraktiven Partnerangeboten macht den Anfang.

Fast jeder zweite Bundesbürger glaubt, dass die Digitalangebote der deutschen Geldhäuser im internationalen Vergleich nicht konkurrenzfähig sind. Gleichzeitig erklären mehr als zwei Drittel, dass ihnen digitale Angebote wie Banking-Apps wichtig sind. Tatsächlich steigt die Zahl der Konsumenten kontinuierlich, die ihre Bankgeschäfte per Smartphone erledigen, während Filialbesuche eine immer geringere Rolle spielen. Diese Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Bitkom-Studie zwingen den Finanzsektor zum Handeln.

Banken müssen Onlineangebot attraktiver machen

Wie können Banken auf diese Herausforderungen reagieren? Die Zukunft liegt in digitalen Ökosystemen – und eine gut aufgesetzte Banking-App, die verschiedene Angebote bündelt, ist der beste Einstieg. Mit überschaubarem Aufwand lässt sich hier einiges erreichen, ohne das Kernbankensystem anzutasten. Vor allem jüngere Kunden wünschen sich ein Banking-Erlebnis ohne Medienbrüche, komfortable Dienste, die sich mit wenigen Klicks personalisieren lassen, und eine Web-Filiale mit Fulltime-Service, die keine Geschäftszeiten kennt. Wer diese Erwartungen nicht erfüllt, riskiert nicht nur die Abwanderung weiter Kundenkreise, sondern verspielt auch die wertvolle Chance, neue zu akquirieren: Schon jetzt kann sich jeder dritte Verbraucher ab 16 Jahren vorstellen, ein Bankkonto bei einem Digitalkonzern wie Amazon oder Google zu eröffnen. Zusätzliche Dynamik in den Markt bringt die EU-Richtlinie für Zahlungsdienste (PSD2): Sie zwingt die Banken dazu, den Zugriff auf die sorgsam gehüteten Kundenkontakte und Kontodaten mit alten und neuen Konkurrenten zu teilen.

Eine Plattform, die lediglich Finanzservices offeriert, wird daher kaum ausreichen, um eine größere Zahl an Neukunden zu gewinnen. Die Banken müssen Partner aus anderen Branchen finden, die für die Kunden relevant sind, und deren Angebote miteinander verknüpfen – oder sich als Finanzdienstleister aktiv an einer E-Commerce-Plattform beteiligen. Beide Varianten haben Vorteile. So können Banken, die ein eigenes Ökosystem starten, ihr Serviceportfolio erweitern, neue Märkte erschließen und spannende Erlösmodelle entwickeln. Das geht aber selten von heute auf morgen. Schneller und günstiger ist die Beteiligung an einer bestehenden Plattform. Damit ist aber auch eine gewisse Abhängigkeit vom Betreiber verbunden, was die Auswahl der anderen Anbieter, die Vermarktung und die Kundenansprache betrifft.

Was Ökosysteme im Umfeld von Kreditinstituten leisten können, zeigen auf internationaler Ebene Vorreiter wie die russische Tinkoff Bank: Neben klassischen Produkten können die Kunden über deren Smartphone-App Flug- und Zugtickets kaufen oder Versicherungen abschließen. Darüber hinaus ermöglicht die Applikation die sichere Verwahrung persönlicher Dokumente. Ein weiteres Erfolgsbeispiel ist die spanische Großbank BBVA mit ihrer Plattform “De Compras”: Sie zeigt unverkennbare Parallelen zu Marktplätzen wie Amazon, bietet aber auch Dienstleistungen aus dem Gesundheitsbereich. Die ING in den Niederlanden bietet Kunden die Möglichkeit, durch den Erwerb bestimmter Bankprodukte Bonuspunkte zu sammeln und diese im hauseigenen Onlineshop für den Einkauf hochwertiger Markenprodukte einzusetzen.

Fahrzeugkauf-Szenario zeigt Plattform-Potenzial

In Deutschland haben bisher nur wenige Finanzhäuser das Potenzial der Plattform-Ökonomie erkannt, darunter die solarisBank aus Berlin: Zu ihren Partnern, die über eine Plattform mit offenen Schnittstellen angebunden sind, zählt eine beliebte Internet-Gebrauchtwagenbörse, mit der das Finanzhaus Sofortkredite für den Autokauf anbietet. Dabei sind durchaus noch weitere Dienstleistungen denkbar: Wenn Informationen über die finanzielle Situation des Kunden in digitaler Form vorliegen, kann die Bank online eine Empfehlung geben, ob eher ein Kauf, eine Finanzierung oder ein Leasingmodell anzuraten ist, und direkt günstige Partnerofferten vermitteln. Darüber hinaus lassen sich Sparmöglichkeiten bei der Kfz-Versicherung aufzeigen und lokale Informationen bereitstellen – etwa zur Fahrzeugzulassung. Und das alles in einer App!

Genauso vielversprechend ist der Aufbau eines App Stores für mobile Finanz-Applikationen nach dem Vorbild von Apple oder Google: Dann kann der Kunde individuell entscheiden, welche Produkte oder Services er mit seinem Smartphone, Tablet oder Notebook nutzen möchte. Die Angebote können auch von Partnern stammen und kostenlos oder mit Gebühren verbunden sein. Neben personalisierten Sofortkrediten bieten sich hier Kooperationsmodelle in den Bereichen Mobilität, Kommunikation und Entertainment an. Die Bank als Plattformbetreiber prüft die digitalen Inhalte aller Fremdfirmen, gewährleistet den sicheren Betrieb, übernimmt den Zahlungsverkehr und stellt eine einheitliche Benutzeroberfläche mit komfortabler Menüführung bereit. Interessierte erkennen an den Bewertungen anderer Kunden auf einen Blick, welche Applikationen den größten Zuspruch finden. Dafür können im Hintergrund Empfehlungsalgorithmen eingesetzt werden, wie man sie von populären Onlineportalen kennt. Grundsätzlich gilt: Je smarter, vielfältiger und mehrwertiger eine digitale Plattform daherkommt, desto häufiger wird sie vom Kunden angesteuert – und mit jedem Mal steigt das Wertschöpfungspotenzial für die Bank und ihre Partner.


Hier geht es um ersten Teil dieser Blog-Serie.