Wasserfall vs. Agile Methoden im Projektmanagement – ein Vergleich (Teil 2)


Dies ist Teil 2 einer dreiteiligen Blogserie. Hier geht es zu Teil 1 und Teil 3.

Das Wasserfall-Modell

Im klassischen Wasserfall-Modell gilt in der Regel die Annahme, dass der Umfang eines Projekts klar definiert ist. Das heißt, zu Beginn gibt es eine klare Vorstellung darüber, welches konkrete Ziel und welche jeweils definierten Teilaspekte zu erfüllen sind. Gleichzeitig wird der Faktor Zeit als limitierende Größe vorgegeben. Die Erfüllung des vor Beginn des Projekts definierten Ziels (Scope) unter Einhaltung des geplanten Ressourceneinsatzes (Costs) und der vorgegeben Zeit (Schedule) stellt dabei die zentrale Herausforderung dar, die es zu meistern gilt. Das Verfahren ist dabei sequentiell aufeinander aufbauend und verläuft linear nach einzeln vorgegebenen Inhalten. Das Ziel besteht grundsätzlich darin, das definierte Endprodukt effizient mit gegebenen Restriktionen zu produzieren – ohne Anspruch auf Flexibilität für Änderungen. Dieses Vorgehen hat seinen Ursprung im Bau- und Produktionsprozess, in dem hochstrukturierte Prozesse eingehalten werden müssen, da spätere Änderungen teuer oder sogar unmöglich sind. Das Verfahren hat seine Berechtigung insbesondere in der Fertigung, wo standardisierte Produkte mit hoher Qualität unter effizientem Ressourceneinsatz hergestellt werden müssen.

Stabilere Ergebnisse durch agile Methoden

Bei agilen Methoden wird hingegen die Komplexität des Systems als wesentliches Unterscheidungsmerkmal herangezogen. Ist eine Entscheidungssituation kompliziert, komplex oder gar chaotisch, können mit agilen Techniken stabilere Ergebnisse erzielt werden als mit klassischen Verfahren. Denn im Gegensatz zu einfachen bzw. unkomplizierten Entscheidungssituationen, in denen Ziel, Lösungsanforderung und auch der Lösungsweg klar definiert sind, gibt es in komplexen bzw. komplizierten Projekten mehrere Unbekannte, die mit agilem Vorgehen iterativ und sukzessive zu determinieren sind. Dabei gilt es, Rahmenbedingungen für ein Projekt so zu konzipieren, dass Raum für Interaktionen, benutzerdefinierte Adaption und dynamische Anpassung – die iterativ erfolgen können –  möglich sind. Aktualisierungen und Kurskorrekturen können im Verlauf des Projektes variabel vorgenommen werden, die veränderte Anforderungen bzw. die Dynamik der Einflussfaktoren berücksichtigen. Entsprechend wird hier eine Varianz im Zielsystem (Scope) erlaubt, ohne jedoch Einbußen in den Qualitätsanforderungen, im geplanten Ressourceneinsatz (Costs) und der zeitlichen Planung (Schedule) zu tolerieren. Der Fokus liegt folglich auf der Lieferung von Qualität und Kundennutzen im Output. Eine temporäre Fehlentwicklung ist dabei möglich, sollte aber durch kurze Feedbackzyklen so minimal wie möglich ausfallen.

„Fail fast – learn fast“

Eines des ersten Modelle für agile Methoden liefert das sog. Scrum Framework – bereits Mitte der 80er Jahre wurde dieses Vorgehen in der Hardwareentwicklung (später auch in der Softwareentwicklung) eingesetzt, um im Projektmanagement ein Konzept für wechselnde Anforderungen zu haben. Hier gilt die Annahme, dass sich im Laufe eines Projektes die Anforderungen an Projektziele ändern können, da neue Herausforderungen bzw. Ziele entstehen, die zu Beginn nicht bekannt waren bzw. einer Dynamik unterliegen, die nur im Projektverlauf zum Vorschein kommt. Um die erwünschte Flexibilität sicherzustellen, arbeiten Teams in der Regel in kürzeren Zyklen – Sprints- um konstante Verbesserungen mit klar definierten Inhalten zu bewerkstelligen. Auch die schnelle Erreichung von Teilzielen, die erste Erfolge und Erkenntnisse sichtbar machen, sind wesentliche Merkmale dieses agilen Ansatzes. Das Prinzip „fail fast – learn fast“ wird bewusst angewandt und ist erwünscht, um durch Erfahrungen und Iterationen stabile Ergebnisse zu erreichen. Im Vergleich zum Zeitpunkt der Projektinitiierung sind somit Veränderungen und Anpassungen im Projektverlauf durchaus gewöhnlich und hilfreich.

Beide Varianten – klassisch und agil – haben ihre Berechtigungsgrundlage und die Praxis zeigt, dass in vielen Unternehmen beide Modelle angewandt werden, wobei sie unterschiedliche Aspekte und Zielvorstellungen bedienen. Mit Hilfe der agilen Methodik stehen insbesondere die Zielsetzungen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit auf Veränderungen im Vordergrund, die die Dynamik der Umfeldfaktoren und die Komplexität in Unternehmen als Usus annimmt, um durch entsprechende agile Techniken, Tools und Verfahren auf diese zu reagieren.

Dabei beschränken sich agile Methoden nicht nur auf die Hard- und Softwareentwicklung. Agile Techniken sind facettenreich und finden unternehmens- und prozessübergreifend Anwendung.


Dies ist Teil 2 einer dreiteiligen Blogserie. Hier geht es zu Teil 1 und Teil 3.