Ein steiniger Weg: Von Google Pay, Apple Pay und Instant Payment


Deutschlands-Payment-Sektor hat neuen Aufwind erhalten: Seit ein paar Wochen ermöglichen die Sparkassen ihren Kunden Zahlungen in Echtzeit, Google Pay ging vor einem Monat hierzulande endlich an den Start und Apple-Pay-Verfechter bemühen sich weiterhin, die Gerüchteküche über eine mögliche Einführung am Brodeln zu halten. Doch was hat es mit diesen Entwicklungen wirklich auf sich? Stehen wir tatsächlich vor einer neuen Ära des Bezahlens? Über Bewegungen in einem Markt, dessen Zukunft noch immer ungewiss ist.

Bis sich eine neue Lösung oder gar eine neue Technologie wirklich am Markt durchsetzen kann, braucht es Zeit. Disruptive Ideen, die eine Meinungs- und Verhaltensänderung erfordern, um akzeptiert zu werden, brauchen in der Regel noch länger für die Umsetzung– und ein ausgeklügeltes Timing. Für Mobile-Payment-Lösungen in Deutschland bedeutet das: lange Geduldsfäden sind von Nöten. Verschiedene Wallet-Anbieter haben ihr Glück bereits versucht – und aufgegeben. Weder das Konzept der Deutschen Telekom, noch die Lösung von Otto-Tochter Yapital konnten sich durchsetzen. Payback Pay und die Apps der Supermarktketten Edeka und Rewe sind zwar nicht gescheitert, doch der flächendeckende Einsatz – und damit der eigentliche Durchbruch – lässt weiter auf sich warten.

Dabei könnte alles so einfach sein, die technischen Voraussetzungen sind durchaus gegeben. Die Zahl der Smartphone-Nutzer wächst auch in Deutschland beständig: derzeit liegt sie bei 57 Millionen Personen. Ungefähr vier Fünftel von ihnen nutzt ein Smartphone, dass die sogenannte Near Field Communication (NFC) unterstützt. Das bedeutet, dass Daten mittels Funkverbindung übertragen werden können – beispielsweise um Bezahlvorgänge zu erledigen. Bereits Ende dieses Jahrs sollen alle Kassenterminals in den Supermärkten in Deutschland auf NFC eingestellt sein.

Die zögernde Haltung in Sachen Mobile Payment ist damit keinesfalls technischer Natur. Warum also greift niemand zum Handy, um zu bezahlen? Die viel beschriebene Liebe der Deutschen zum Bargeld ist sicherlich weiterhin eine der Antworten auf diese Frage. Doch auch der deutlich erkennbare Mehrwert – oder eben dessen Ausbleiben – spielen für den Verbraucher eine große Rolle. Mit dem Start von Google Pay versucht nun ein neuer Tech-Gigant sein Glück in Deutschland. Der amerikanische Großkonzern hat sich Mühe gegeben, die Hürden für den Endverbraucher möglichst klein und den Mehrwert groß zu gestalten. So kann beispielsweise jeder Kunde, der seine PayPal-Daten bei Google hinterlegt hat, den Bezahldienst ohne zeitaufwendigen Login nutzen.

Google Pay: Wer mitmacht und wie es funktioniert

Um von Google Pay tatsächlich Gebrauch machen zu können, müssen dann aber doch noch ein paar weitere Voraussetzungen erfüllt sein: Zum einen benötigt der Nutzer eines der oben erwähnten Smartphones mit Android-Betriebssystem und muss Kunde bei der Commerzbank, deren Tochter comdirekt, Wirecard oder der Direktbank N26 sein – mit diesen Banken hat sich Google bisher zusammengetan. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) könnte bald folgen. Darüber hinaus bedarf es außerdem einem Händler, der Google Pay auch akzeptiert. Dazu gehören derzeit die Supermarktketten Aldi, Lidl und Kaufland, die Elektrofachhändler Saturn und Mediamarkt, der Bauspezialist Hornbach und die Fastfood-Kette McDonald’s.

Bei Zahlungen bis zu 25 Euro reicht es völlig aus, wenn man das Smartphone einfach ans Bezahlterminal hält. Kein Code, kein Entsperren ist dann mehr nötig. Höhere Summen erfordern lediglich eine kurze Identifikation, in beiden Fällen erhält man die Quittung direkt aufs Smartphone. Durch diese Bezahlvariante entstehen dem Nutzer übrigens keine Zusatzkosten. Was dennoch einen kleinen Haken darstellt: Wer Google Pay hierzulande nutzen möchte, kommt mit seiner normalen Girocard nicht weit. Voraussetzungen sind eine Master- oder Visacard. Ob diese Vorteile reichen und die Hürden niedrig genug sind, wird sich zeigen. 

Instant Payment auf dem Vormarsch

Neben Mobile Payment haben wir in den letzten Jahren eine weitere Entwicklung stets verfolgt: Bereits 2015 hat mein Kollege Med Ridha Ben Naceur einen Vortrag zum Thema Instant Payment gehalten. Anders als bei den Mobile Payment Apps liegen beim Trend der Echtzeit-Zahlungen die Vorteile klar erkennbar auf der Hand: Kein Bargeld im Haus, aber den Handwerker trotzdem gleich bezahlen? Vergessen, die H&M Rechnung zu überweisen und es ist schon wieder Wochenende?

Binnen Sekunden lassen sich dank Instant Payment Zahlungen von Ihrem Konto zu einem anderen ausführen – und diese Probleme lösen. Quasi in Echtzeit, und 365 Tage im Jahr. Was bisher nur über Umstände oder mit erheblicher Zeitverzögerung möglich war, wird nun zumindest bei den Sparkassen Realität. Statistisch gesehen deckt das schon einen erheblichen Teil des deutschen Marktes ab, knapp vierzig Millionen Girokonten werden derzeit bei der Sparkasse geführt. Auch die Hypovereinsbank hat sich bereits vor einiger Zeit ans Instant Payment Konzept gewagt.

Die Weichen dafür wurden im Herbst letzten Jahres gestellt. Seither gibt es in der Europäischen Union zumindest theoretisch die Möglichkeit für Instant Payment. Mittlerweile sind Echtzeit-Überweisungen laut Sparkassen-Website bereits in 15 der 34 SEPA-Länder möglich.

Je steiniger der Weg, desto wertvoller das Ziel

Ich habe eingangs erwähnt, dass es lange dauern kann, bis sich neue Lösungen wirklich durchsetzen. Instant Payment, über das wir seit Jahren berichten, hat nun eine weitere Hürde auf dem steinigen Weg genommen. Dass auch das mobile Bezahlen hierzulande sich irgendwann etabliert, steht für mich außer Frage. Ob Google Pay, Apple Pay oder doch eine traditionelle Bank am Ende die Lösung für alle bieten wird, ob es mehrere kleine Player zur Akzeptanz bringen, bleibt ungewiss. Aber ich bin mir sicher: Wir werden den Weg, den viele unserer europäischen Nachbarn bereits gegangen sind, irgendwann folgen. Und Sie wissen ja: Was lange währt, wird endlich gut.


 

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