Was man über die Zertifizierung zum Java 8-Programmierer wissen muss


Lohnt sich die Zertifizierung zum Java 8-Programmierer? Was muss man alles dafür tun und wie bereitet man sich effektiv auf die Prüfungen vor? Oscar Centeno hat sich während der vergangenen drei Monate auf die OCA- und OCP-Zertifizierungen vorbereitet und berichtet hier von seinen Erfahrungen.

Eine kurze Einführung in die Zertifizierung zum Java-Programmierer

Die ersten beiden Zertifikate für Java 8 sind Oracle Certified Associate (OCA) und Oracle Certified Professional (OCP).

Los geht es mit OCA: Dieses Zertifikat erfordert keine Voraussetzungen und beinhaltet Grundlagenwissen wie Objects, Statements, Class Design, Interfaces, Lambdas, Core APIs und Exceptions. Einem erfahrenen Programmierer mögen diese Inhalte sehr simpel vorkommen; dadurch können Sie jedoch Ihr Wissen in den verschiedenen Themengebieten vertiefen und werden in der Identifizierung von Fehlern geschult. Für die Prüfung müssen 70 Fragen innerhalb von 2,5 Stunden beantwortet werden – es sind also Konzentration und schnelles Denken gefragt. Wer möchte, kann für die Vorbereitung das passende Buch verwenden, das etwas mehr als 300 Seiten umfasst.

Das zweite Zertifikat, OCP, baut auf OCA auf. Allein die Länge des Begleitbuches von fast 600 Seiten lässt schon erahnen, dass diese Prüfung um einiges härter ist. In der Tat erfordert sie wesentlich mehr Vorbereitung – ich habe jedoch auch sehr viel dadurch gelernt. Diesmal müssen in den 2,5 Stunden 85 Fragen beantwortet werden. Sie beinhalten mehr Code, der gelesen und verstanden werden muss, entsprechend flink wird man darin mit der Zeit. Der Schlüssel zum Erfolg ist üben, üben, üben. Die Themen beinhalten Advanced Class Design, Design Patterns, Generics und Collections, Functional Programming, mehr über Java APIs, IO, NIO, Concurrency und JDBC.

Lohnt es sich, das Zertifikat zu erwerben?

Auf jeden Fall! Beide Prüfungen helfen dabei, sich eingehend mit Java zu beschäftigen und dessen APIs zu lernen. Für die aktuelle Java 8-Version konnte ich zum Beispiel neue Themen vertiefen, wie die neuen APIs oder die NIO Objects und Streams. Durch die Vorbereitung auf die Prüfungen wird man zum Profi für APIs und bekommt zudem ein geschultes Auge für häufige Fehler. Und natürlich werten diese Zertifikate den eigenen Lebenslauf auf. Selbst für Fachinterviews holen sich Journalisten und Interviewpartner aus den Inhalten der Zertifikate Anregungen für neue Ideen. Nach bestandener Prüfung erhält man ein Badge, das man über die Seite YourAcclaim.com auf LinkedIn veröffentlichen kann.

Wie bereitet man sich am besten für die Zertifizierung vor?

Ich habe mich in drei Schritten vorbereitet:

  1. Buch durcharbeiten und Prüfungsaufgaben lösen

    Oracle hat für jedes Zertifikat ein Vorbereitungsbuch veröffentlicht:

    Jedes Buch beinhaltet die Prüfungsanforderungen und Tipps, wie sich häufige Fehler vermeiden lassen. Sehr hilfreich fand ich die Prüfungsaufgaben am Ende jedes Kapitels – insbesondere für OCP, da viele Themen (z.B. NIO) hier neu für mich waren.

  2. Weiterüben mit den Probeklausuren von Enthuware

    Enthuware hat eine Fülle von Fragen aus aktuellen Prüfungen zusammengetragen und stellt ein Übetool zur Verfügung. So sieht es aus:

    Vielen Dank an meine Kollegin Raquel Rodríguez für diese Quelle.
    Die Enthuware Fragenkataloge umfassen mehr als 600 Fragen und Antworten und sind mit je $10 nicht teuer. Ich halte sie für eine tolle Investition, um sich besser vorzubereiten und mit gutem Gefühl in die echte Prüfung zu gehen.

    Hier die Links:

    Beantworten Sie diese Fragen wie in einer echten Prüfung:

    • Bleiben Sie innerhalb des Zeitrahmens. Konzentrieren Sie sich ganz darauf und vermeiden Sie Ablenkung – keine E-Mails, keine sozialen Netzwerke, kein Telefon.
    • Markieren Sie Fragen, die Sie nicht auf Anhieb verstehen und machen Sie dann weiter. Gewöhnen Sie sich an, nicht bei einer Frage hängenzubleiben, sondern nach 2 bis 3 Minuten die nächste zu beantworten.
    • Streichen Sie alle Antworten durch, die Sie für falsch halten – und zwar durch klicken mit der rechten Maustaste. Das half mir sehr dabei, Ablenkung zu vermeiden. Außerdem hilft es zu fokussieren und Zeit zu sparen, wenn man schwierige Fragen markiert und erst später darauf zurückkommt.
    • Gehen Sie am Ende nochmal zu den markierten Fragen zurück und vervollständigen Sie diese in der vorgegebenen Zeit – auch wenn Sie sich nicht 100%ig sicher sind. Ich habe zum Beispiel irgendwann bemerkt, dass Fragen deshalb als falsch gewertet wurden, weil ich statt der geforderten drei nur zwei Antwortoptionen ausgewählt hatte. Als ich mir dieses Leichtsinnsfehlers bewusst wurde, konnte ich meine Ergebnisse schlagartig verbessern.

    Beim Durcharbeiten verschiedener Prüfungen werden Sie vielleicht das Gefühl haben, zu viele Fragen falsch zu beantworten. Machen Sie trotzdem weiter und lernen Sie eine Frage nach der anderen. Mit der Zeit werden Sie besser!

    Überraschenderweise stieß ich auf einige Spezialfragen, die nicht in den Büchern behandelt wurden. In OCP Enthuware beispielsweise gibt es eine Frage über “resolveSiblings”, eine Methode in der NIO API, die nicht aufgeführt ist. Sehen Sie jede dieser Fragen als Möglichkeit zu lernen, für den Fall, dass solche Themen in der aktuellen Prüfung vorkommen.

    Wenn Sie das Gefühl haben, Ihnen schwirrt vor lauter Informationen der Kopf und Sie werden unsicher – keine Panik. Machen Sie wie gehabt weiter und planen Sie Ihre Prüfung. Mir und anderen Kollegen erging es ähnlich. Wenn man jedoch diszipliniert weiterlernt, wird man bald bereit für die Prüfung sein. Statistiken von Enthuware zeigen, dass das Ergebnis der Oracle-Prüfung sogar meist besser ist als das der Probeklausuren. Genauso war es auch bei mir. Wichtig: Die falsch beantworteten Fragen sollten nochmals nachbereitet werden.

  3. Prüfungsgebühren bezahlen und Termin festlegen

    Die Anmeldung zu den Prüfungen erfolgt unter den nachfolgenden Links. Hier können Sie einen Termin und ein Prüfungszentrum wählen. Die Zahlung ist online per Kreditkarte möglich.

    Mein Tipp: Melden Sie sich dann zur Prüfung an, wenn Sie bald alle Probeklausuren bearbeitet haben. Eine Woche vorher wäre ein guter Zeitpunkt, so dass die letzte Probeklausur ein bis zwei Tage vor dem Termin abgeschlossen ist. Lassen Sie danach nicht zu viel Zeit verstreichen, sondern versuchen Sie, alles Wissen noch “Frisch” im Kopf zu haben. Meiner Meinung nach muss man sich so viele Details merken, dass die Gefahr besteht, mit der Zeit Gelerntes wieder zu vergessen.

Wenn Sie also alle Bücher und Probeklausuren durchgearbeitet haben – wagen Sie die Prüfung! Vergessen Sie nicht, alle Anweisungen zu lesen, damit Sie über die Regeln Bescheid wissen.

Wie lange dauert die Zertifizierung?

Ich habe fast drei Monate aufgewendet und folgenden Aufwand betrieben:

  1. Termin festlegenDie Hauptursache dafür, dass viele Java-Programmiere nicht zertifiziert sind, ist, dass sie es nicht schaffen, einen Termin festzulegen. Entschuldigungen wie “Ich fange nächsten Monat an” oder “Ich bearbeite das Buch nach und nach während der kommenden 6 Monate” sind Ihr Feind. Wer sich nicht verbindlich auf einen Termin festlegt, wird sein Ziel nicht erreichen. Ich habe einen Monat für den OCA und zwei Monate für den OCP gelernt. Das kann Ihnen als Anhaltspunkt für die persönliche Planung dienen. Ich kann Sie nur darin bestärken, den Schritt zu tun!
  2. Feste Lernzeiten einplanenEs ist unbedingt notwendig, genügend Zeit zum Lernen einzuplanen. Ich habe 2 bis 4 Stunden täglich aufgewendet, und das 5 bis 6 Tage pro Woche. Das erscheint viel Zeit, aber man muss zuerst das Buch lesen und anschließend die Übungen machen, um gut vorbereitet zu sein. Selbst wenn Sie Java täglich nutzen, erfordern es die Komplexität und die detaillierten Fragen, darüber hinaus zu lernen. Wenn Sie einen Prüfungstermin festgelegt haben, wird Sie dies automatisch motivieren, Lernzeit zu reservieren.
  3. Aus falschen Antworten lernenAm hilfreichsten bei Enthuware fand ich, dass bei falscher Beantwortung einer Frage genügend Informationen zur Verfügung gestellt werden, um wirklich etwas daraus zu lernen. Lassen Sie dich also nicht durch schlechte Ergebnisse demotivieren, sondern sehen Sie dies als Lernerfahrung. Arbeiten Sie jede Prüfung durch und sehen Sie sich jede falsche Antwort nochmals an. Auf diese Weise lernt man nachhaltig. Das erklärt auch, warum ich so viel Zeit dafür gebraucht habe, alle Tests zu beantworten.

Wenn Sie es bis zu diesem Punkt geschafft haben, vermute ich: Sie sind ernsthaft daran interessiert, sich zertifizieren zu lassen. Herzlichen Glückwunsch schon im Voraus! Wenn Sie Fragen haben, hinterlassen Sie gerne einen Kommentar und ich werde mein Bestes geben, um Ihnen weiterzuhelfen.