Sind Sie bereit für… Open Banking?


Gekommen, um zu bleiben: Das sogenannte Open Banking hat sich rasch zur höchsten Priorität für viele Finanzdienstleister entwickelt, die in Sachen Innovation und Kundenangebot wettbewerbsfähig bleiben wollen. Viele Banken sind jedoch unsicher, wie sie die praktischen Aspekte angehen sollen, die bei der Vorbereitung berücksichtigt werden müssen: Wie können alle Möglichkeiten, die das Open-Banking-Umfeld bietet, ausgeschöpft werden?

Zunächst muss gesagt werden: Der Schlüssel für jedes Unternehmen, das in diese Richtung gehen will, liegt darin, sich möglichst viel Wissen und ein gewisses Verständnis für die Herausforderungen und potentiellen Chancen des Open Banking anzueignen. Das mag vielleicht trivial klingen, aber Unternehmen müssen wirklich recherchieren, den Markt scannen, ein Gefühl für die aktuelle Situation bekommen, Best Practices ausfindig machen und sich auch einen Senior Sponsor an Bord holen. Meistert ein Unternehmen all diese Aufgaben, ist es bereits auf dem richtigen Weg.

Beim Open Banking handelt es sich jedoch um einen relativ neuen Ansatz, was bedeutet, dass Unternehmen nur bedingt auf historisches Wissen zurückgreifen können. Dennoch besteht der verständliche Wunsch, sich an Leuchtturmprojekten zu orientieren. Ein Ort, an dem sich erfahrene Teilnehmer finden lassen, ist der europäische Bankenmarkt, mit Finanzdienstleistern wie der BBVA oder der Fidor Bank.

Die drei Bausteine für Open Banking

Im Hinblick darauf, dass Open Banking für die meisten Banken Neuland ist, das Agilität, Schnelligkeit und eine bankenweite Zusammenarbeit erfordert, müssen Banken mehr als je zuvor einen gewissen Unternehmergeist an den Tag legen. Nur so können sie den wahren Wert der Open-Banking-Revolution freilegen. Wir haben drei Erfolgskriterien für Finanzdienstleister zusammengetragen, die für das Konstrukt der Open-Banking-Strategie hilfreich sind. Der Wichtigkeit nach lauten diese: Kultur, Technologie und Monetisierung

Kultur: Open Banking ist neu und erfordert neue Denk- und Arbeitsweisen. Unternehmen müssen sich weiterentwickeln, um sowohl auf technischer als auch geschäftlicher Ebene dazu in der Lage zu sein. Einen der beiden Bereiche isoliert anzugehen, führt nicht zum Erfolg. Konkret bedeutet das, dass Teams zu Hybriden werden müssen, die agiler sind und verschiedene Fähigkeiten und Persönlichkeiten abdecken. Dieser Hybrid-Ansatz schneidet in die traditionelle Methodologie von Finanzdienstleistern ein, die stark durch eine Silo-Unternehmensstruktur geprägt ist. Diese Silostruktur ist ein Problem, das den meisten Banken durchaus bewusst ist – doch auch wenn sie bereits daran arbeiten, sollte diese Herausforderung nicht unterschätzt werden. 

Technologie: ist natürlich ein entscheidender Faktor, um eine erfolgreiche Open-Banking-Strategie zu entwickeln. Die fortschrittlichsten Unternehmen schaffen einen eigenen Kanal für ihre Entwickler-Community in ihrem eigenen Ökosystem. Finanzdienstleister müssen sicherstellen, dass Entwickler mit ihnen zusammenarbeiten wollen und zwar vor allem in den Bereichen, in denen es mögliche alternative API-Dienste gibt, die von Wettbewerbern konsumiert werden können. Unternehmen müssen sich auch darauf fokussieren, wie „Portale“ für ihre Entwickler-Community funktionieren, wie der Zugang geregelt ist und wie die Monetisierung des Zugangs unterstützt wird – gleichzeitig müssen sie sicherstellen, dass sie schnell genug Sandboxes zur Unterstützung ihrer Entwickler-Community hochziehen können.

Monetisierung: Jedes Unternehmen muss mit den finanziellen Folgen seiner Entscheidungen leben und so muss auch jeder, der eine Open-Banking-Strategie angeht, die Auswirkungen dieser auf die Wertschöpfung für das Unternehmen berücksichtigen. Unserer Meinung nach gibt es drei unterschiedliche Aspekte, die beachtet werden müssen, wenn man den Wert von Open Banking messen will:

  • Interner Wert: Diese Maßeinheit kann genutzt werden um den Wert zu demonstrieren, der durch Open Banking entstanden ist. Oftmals handelt es sich dabei um einen Vorteil durch Kostenreduzierung, der durch agilere, schlankere und kosteneffizientere Entwicklungsumgebungen entstanden ist oder auch durch die Ermöglichung größerer Flexibilität bei der Migration von Daten in die Cloud
  • Partnerschaftlicher Wert: Innerhalb des Open Banking sind Ökosysteme ein äußerst wichtiges Thema, denn hier wird erwartungsgemäß der Mehrwert entstehen und es gilt noch viele Möglichkeiten auszuschöpfen, um mit innovativen Drittpartien zusammenzuarbeiten
  • Nutzungswert: in Großbritannien beispielsweise kommt die Regelung, welcher Datenbestand durch die verschiedenen APIs offengelegt werden darf von der Competition and Markets Authority (CMA). Eventuell wird es möglich, durch diese Daten schnell ein zusätzliches Einkommen zu erzielen, indem beispielsweise zusätzlich zu den Ausgangsdaten dann Metadaten innerhalb von Transaktionsumgebungen in Rechnung gestellt werden, die noch tiefere Einblicke und höheren Wert generieren.    

Was bringt die Zukunft des Open Bankings?

Die Wahrheit ist: Open Banking ist weitaus mehr als nur eine neue Abteilung, die nach einer neuen Möglichkeit greift. Das Thema ist viel breitgefächerter: es ist technisch, dreht sich um die Infrastruktur, um Agilität und um diese hybriden Teams, die in hoher Geschwindigkeit über die ganze Bank hinweg zusammenarbeiten – und es dreht sich auch um neue Partnerschaften. Beim Open Banking geht es um Wertschöpfung in Bereichen, die Banken bisher noch gar nicht beachtet haben.

Erste Fallbeispiele könnte sich beispielsweise darum drehen, Daten so zu nutzen, dass Kredit-Scoring-Systeme präziser werden und möglicherweise spezifische Elemente der Banken-Wertschöpfungskette freigelegt werden. Unternehmen können in einem späteren Stadium weiter exponentiell wachsen, wenn sie dann anfangen immer weitere Daten rund um ihre Produktsets freizugeben und dann von ausschließlich Daten zu Prozessen oder Dienstleistungen übergehen. 

Die treibende Kraft hinter Open Banking sind Innovationen und Unternehmergeist – zwei Begriffe, die den ein oder anderen verängstigen mögen. Tatsächlich führt jedoch kein Weg daran vorbei, den Open-Banking-Ansatz mit Agilität, Durchsetzungsvermögen und dem Glauben daran anzugehen, dass er Silos und traditionelle Arbeitsweisen zugunsten der Bank und ihren Kunden beseitigen wird. Firmen, die keinen Willen zeigen, diese Möglichkeiten zu nutzen, riskieren nicht nur hinter ihren traditionellen Wettbewerbern, sondern auch innovativen Tech-Unternehmen zurückzubleiben, die sich darüber freuen, Produkte anzubieten, die etwas mit Finanzen zu tun haben und bisher ausschließlich den Banken zugeschrieben waren.

 


Wenn Sie mehr über das Thema Open Banking erfahren möchten, lesen Sie doch auch unser Thought Leadership Paper „Open Banking – are you ready?“