Innovation für blinde Menschen: GFT entwickelt neue App für BBVA in Spanien


Die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) hat in Spanien vor kurzem eine mobile App vorgestellt, die es Blinden, körperlich Behinderten und Menschen mit leichten Lernschwierigkeiten ermöglicht, die mehr als 6.000 Geldautomaten der Bank zu nutzen. Als Technologiepartner wählte die Bank GFT aus. Das internationale GFT Team entwickelte alle mobilen Funktionen des Projekts. Dabei bot das Digital Innovation Lab von GFT in Barcelona die ideale Arbeitsumgebung, um die App in vollem Umfang zu konzipieren und sie anschließend in einer realitätsnahen Testumgebung zu prüfen.

Nach mehrmonatiger Arbeit wurde die App von BBVA (laut Forrester, dem weltweit führenden Anbieter mobiler Bankdienstleistungen), ILUNION Tecnología y Accesibilidad (diese Vereinigung engagiert sich für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen ins Arbeitsleben) und GFT vorgestellt. Am Pilotprojekt hatten sich mehr als 30 Menschen mit Behinderung beteiligt. So funktioniert die Anwendung: Das Tool lokalisiert den nächsten Geldautomaten, stellt dem Nutzer die Standortdaten zur Verfügung und zeigt den optimalen Weg dorthin auf. Darüber hinaus ermöglicht sie die Kommunikation zwischen dem Mobiltelefon des Kunden und dem Geldautomaten und erleichtert dadurch beispielsweise die Auszahlung von Bargeld. Die App wird im ersten Quartal 2018 für BBVA-Bankenkunden in Spanien verfügbar sein.

Neue Herausforderung für GFT

Vor etwa einem Jahr kam BBVA mit der Anfrage zur Entwicklung einer App für blinde Menschen auf GFT zu. Übergeordnetes Ziel war es, die Bedienung der bankeigenen Geldautomaten für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen deutlich zu erleichtern. GFT wählte einen proaktiven Entwicklungsansatz, der das GFT Digital Innovation Lab miteinbezieht. So konnte das Team zeitnah einen funktionsfähigen Prototypen für die maßgeschneiderte, mobile Lösung entwerfen, der die Anforderungen des Finanzinstituts vollumfänglich abdeckte. Im nächsten Schritt sollten auf Anfrage von BBVA die mobilen Elemente des Projekts entwickelt werden – eine Herausforderung im Hinblick auf Zugänglichkeit wie auch Benutzerfreundlichkeit.

Ziel für das GFT Team war es, zukünftig allen BBVA-Bankkunden das Geldabheben an den Automaten einfach und komfortabel zugänglich zu machen – insbesondere Menschen mit Behinderung. Kunden sollten ihre Mobiltelefone verwenden können, um nach einem Geldautomaten zu suchen, einen solchen auszuwählen, die Abhebung des Geldes vor zu programmieren, eine Route zum Erreichen des Geldautomaten festzulegen, die Bank über alle Vorfälle zu informieren und auch um die Transaktion zu protokollieren.

Um dies zu erreichen, hat GFT für die Entwicklung eine Studie über den Einsatz von Funksensoren – sogenannten „Beacons“ – durchgeführt. Parallel dazu erforschte das Team die Verwendung von Sprachsynthese-Technologien als Mittel zur Interaktion mit der mobilen Anwendung. Zudem wurden Workshops initiiert, um weitere Ideen zu identifizieren und einen Rahmen zu schaffen, der den kompletten Service zusammenzuführt. Als Ergebnis konnte GFT ein Kundenerlebnis für sehbehinderte Benutzer entwerfen und die Implementierungsphase starten. Gleichzeitig wurden sowohl das Design der App als auch die einzelnen visuellen Elemente mit dem letzten Schliff versehen. Die bestehenden BBVA-Systeme wurden integriert, um die Geldautomaten zu identifizieren und die angeforderten Geldbeträge vorzubereiten. Google-Dienste wiederum wurden verwendet, um die Kunden geografisch leiten zu können und „Beacons“ um die Entfernung zum nächstgelegenen Geldautomaten aufzuzeigen. Im letzten Schritt wurde der Prototyp der BBVA im Digital Innovation Lab von GFT präsentiert.

„Durch die Nutzung unseres modernen GFT Digital Innovation Labor konnte das multidisziplinäre Team, das an diesem Projekt arbeitete, sehr realitätsnahe Umgebungen simulieren, in denen sich die Nutzer dieser App täglich wiederfinden. Das beschleunigte die Entwicklung der Anwendung, die einen großen Fortschritt bei der unabhängigen Nutzung eines Geldautomaten bringen wird für all diejenigen, denen das bislang nicht möglich war“, erklärte Manuel Lavín, Executive Director Banking bei GFT Spanien.

Dem multidisziplinären Team von GFT gehörte auch Daniela Rubio an, eine auf Zugänglichkeit für Blinde spezialisierte Beraterin. Sie spielte eine wichtige Rolle bei dem Projekt, indem sie nicht nur ihr Fachwissen über das Thema, sondern auch ihre Perspektive als blinder Endnutzer einbrachte.

„Die von GFT entwickelte Lösung vereinfacht und verbessert die Art und Weise, wie sehbehinderte Kunden mit ihrer Bank interagieren. Wie andere Kunden wollen wir nicht gezwungen sein, die Filiale zu besuchen, wenn wir nur Bargeld abheben wollen. Die App macht Banking für blinde Menschen wie mich viel einfacher. Wir können nach einem Geldautomaten suchen und die Einzelheiten der Transaktion im Voraus festlegen. Wenn wir dann zum Geldautomaten kommen, erfolgt die Transaktion automatisch. Das ist eine enorme Verbesserung: Nicht nur für Blinde, sondern auch für ältere Menschen und alle, die in traditionellen Filialen Schwierigkeiten bei der Nutzung eines Geldautomaten haben. Darüber hinaus trägt die Tatsache, dass wir diese Transaktionen unabhängig vornehmen können, dazu bei, unsere Privatsphäre zu schützen. Andernfalls müssten wir warten, bis uns jemand, dem wir vertrauten, zur Verfügung steht. – schließlich sprechen wir hier über den Umgang mit vertraulichen Informationen“, erklärt der Berater.

Vorteile für blinde Menschen

Dank der BBVA-App können sehbehinderte Menschen jetzt einfach und sicher Bargeld am Geldautomaten abheben:

  • Der Kunde startet den Prozess des Geldabhebens mit seinem Smartphone und wird direkt über die nächstgelegenen Geldautomaten, die diesen Service anbieten, informiert.
  • Nachdem der passende Geldautomaten ausgewählt und der zu entnehmende Betrag festgelegt wurde, verwendet die App Google Maps, um dem Kunden die schnellste Route zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu nennen.
  • Wenn der Kunde sich dann dem Geldautomaten nähert, kann er die App verwenden, um den genauen Standort des Automaten zu identifizieren, indem er den Geräuschen folgt, die von einem im Geldautomaten installierten Funksensoren ausgegeben werden.
  • Nachdem der Kunde seine Karte eingeführt hat, stellt der Geldautomat eine Verbindung zu seinem Mobiltelefon her, um ihn durch die verschiedenen Schritte des Prozesses zu führen und die Transaktion abzuschließen.

„Dieser neue Service ist der erste seiner Art in Spanien und stellt einen Fortschritt dar, wenn es darum geht, blinde Menschen bei der Verwaltung ihrer Finanzen zu unterstützen. Dadurch können sie ohne fremde Hilfe auf ihr Geld zugreifen und so ihre persönliche Unabhängigkeit steigern „, bekräftigt Luis Javier Blas, Director of Engineering bei BBVA Spanien. „Ab Januar können behinderte Kunden jeden Geldautomaten von BBVA nutzen und Transaktionen über den für sie zu diesem Zeitpunkt Zeit bequemsten Kanal durchführen“, fügt er hinzu.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die neue App, die für BBVA unter Beteiligung von GFT entwickelt wurde, ist ein Beispiel dafür, wie neue Technologien genutzt werden können, um Bankkunden zu helfen. Hier zeigt sich wie die digitale Transformation der Bank eine großartige Gelegenheit zu mehr Integration sein kann. Im wahrsten Sinne des Wortes wird hier der Bankprozess für mehr Menschen zugänglich gemacht und Bankkunden die Verwaltung ihres Geldes erleichtert.

Kunden, die blind oder körperlich behindert sind, und Menschen mit Lernschwierigkeiten können selbst entscheiden, wann und wie sie ihr Geld abheben. Indem sie sich nicht auf andere verlassen müssen, steigern sie ihre Unabhängigkeit. Dies ist zweifellos ein Pionierprojekt in Spanien, das interessant für viele Finanzinstitute in anderen Ländern sein kann. Wir bei GFT sind stolz darauf, Teil davon gewesen zu sein.