Plattformansatz bringt Banken langfristig Wettbewerbsvorteile


Das aktuelle Update der Digital Banking Expert Survey von GFT zeigt: Schweizer Banken liegen beim Thema Digitalisierung vorne. Alle befragten Institute haben bereits eine entsprechende Strategie implementiert oder sind derzeit dabei, sie zu entwickeln. Wir sprechen darüber mit Flavio Curti, Managing Director der GFT Schweiz.

Flavio, was sind Deiner Meinung nach die Gründe dafür, dass die Schweizer Banken beim Thema Digitalisierung die Nase vorn haben?

Flavio: Die Schweizer Banken haben früh erkannt, dass eine konsequente Digitalisierungsstrategie überlebenswichtig ist. Nicht nur, um gegen die FinTech-Konkurrenz bestehen zu können, sondern auch, um den Finanzplatz Schweiz international attraktiv zu halten. Unsere Studie hat ergeben: Neben finanziellen Zielen wie der Reduzierung der operativen Kosten und der Steigerung des Umsatzes durch neue Produkte und Dienstleistungen, dreht sich bei der Digitalisierung sehr viel um den Kunden. Und das nicht nur in der Schweiz, sondern über alle Länder hinweg: 60 Prozent aller Befragten weltweit geben an, dass es mit Abstand am Wichtigsten sei, die Erwartungen der Kunden zu erfüllen. Ziel der Banken muss es also sein, neue Geschäftsmodelle zu etablieren und konsequent die Bedürfnisse der Kunden in den Mittelpunkt der Aktivitäten zu stellen.

Der Stand der digitalen Transformation in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern.

In Deutschland wird der Plattformgedanke von der Bankenwelt noch sehr ambivalent gesehen. Wie sieht es da in der Schweiz aus?

Flavio: Auch in der Schweiz wird der Bank-as-a-Platform-Ansatz intensiv diskutiert – 87 Prozent der Schweizer Banken beschäftigen sich bereits mit dem Thema. Der Grundgedanke besteht ja darin, dass Banken als Betreiber einer Plattform auftreten, über die sie sowohl ihre eigenen Produkte und Dienstleistungen als auch die von Drittanbietern offerieren. Bei der Umsetzung stehen wir aber noch am Anfang: Erst knapp die Hälfte der Befragten in der Schweiz hat ihre BaaP-Strategie definiert, nur 3 Prozent befinden sich bereits in deren Umsetzung.

Welche Hürden gilt es hier noch zu überwinden?

Flavio: Die Schweizer haben bei Banken ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis. Entsprechend sehen sie den Sicherheitsaspekt als grösste Herausforderung beim Thema BaaP. Wenn Banken eine entsprechende Plattform aufbauen wollen, ist ausserdem die Modernisierung ihrer Systeme eine entscheidende Grundlage. Momentan zögern viele Schweizer Institute jedoch noch – vor allem, weil der regulatorische Druck derzeit fehlt und bei den Kunden noch wenig Nachfrage nach entsprechenden Lösungen besteht. Wir bei GFT sind jedoch davon überzeugt, dass sich der Schweizer Markt zunehmend in Richtung BaaP entwickeln wird und ermutigen unsere Kunden dazu, entsprechende Projekte in Angriff zu nehmen. Denn ich bin mir sicher. Wer bereits jetzt auf offene Plattformen setzt, wird später entscheidende Wettbewerbsvorteile haben.

Wie sieht es beim Thema Künstliche Intelligenz aus?

Flavio: Noch sind die Schweizer – im Gegensatz zu den Kollegen in Brasilien, Grossbritannien oder Mexiko beispielsweise – hier sehr zurückhaltend. Ich denke allerdings, dass sich das rasant ändern wird – wieder kommt dabei dem Thema Kundenbindung eine entscheidende Rolle zu. Wir denken, dass besonders jüngere Kunden entsprechende Angebote zunehmend einfordern werden. Da müssen die Finanzinstitute zwingend mithalten, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. Und es gibt weitere Vorteile: Nehmen Sie beispielsweise einen vollautomatisierten Geldverwalter: Dieser fügt sich nahtlos in digitale Bankangebote ein und spart dadurch auch Kosten. Gleichzeitig sind Banken durch den Einsatz kognitiver Banking-Methoden in der Lage, die umfangreichen Informationen über ihre Kunden besser zu strukturieren und zu analysieren und dadurch ihre Beratungsleistung zu optimieren.

Vielen Dank für das Gespräch!


Hintergrundinfo zur Digital Banking Expert Survey 2017 der GFT

In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen Frost & Sullivan wurden in diesem Jahr 285 Fachleute kleiner bis grosser Retailbanken zu finanzrelevanten Themen wie die Digitalisierung des Bankensektors, künstliche Intelligenz und BaaP befragt. Die Befragung fand 2017 erstmals mittels persönlicher Telefoninterviews statt. Die Befragten halten zumeist Führungspositionen bis hin zum C-Level-Management oder sind Entscheidungsträger aus dem Bankenbusiness und der IT. Die Umfrage konzentriert sich auf acht Länder: Brasilien, Deutschland, Italien, Mexiko, Spanien, die Schweiz, Grossbritannien und die USA. Die detaillierten Ergebnisse sind auf der GFT Website veröffentlicht. Durch klicken auf die Links finden Sie außerdem weiterführende Informationen zu den globalen Ergebnissen und einen Blick auf Deutschland.