Mobile Payment in Deutschland – die wichtigsten Anbieter


Im ersten Blogbeitrag zum Mobile Payment Whitepaper 2017 haben wir es bereits verdeutlicht: In Deutschland sind mobile Bezahldienste weiterhin weniger verbreitet als in anderen Ländern. Der Markteintritt der Digitalkonzerne ist hierzulande noch nicht erfolgt. Doch nicht nur das Fehlen eines flächendeckenden Standards und die weit verbreiteten Sicherheitsbedenken der Kunden sind für den Rückstand verantwortlich. Es liegt auch an der Tatsache, dass es den meisten verfügbaren Lösungen an attraktiven Mehrwerten fehlt. Ein Überblick.

Zum führenden und damit wichtigsten Onlinebezahldienst PayPal aus den USA lässt sich sagen: In Deutschland hat er immerhin 18,9 Millionen aktive Nutzer. Nimmt man dabei den stationären Handel genauer unter die Lupe zeigt sich: Das Angebot beschränkt sich auf wenige Läden und Gastronomiebetriebe rund um unsere Hauptstadt Berlin.

PayPal will dies ändern und setzt dabei auf verschiedene Kooperationen. So können Kunden seit dem Sommer 2017 an Shell-Zapfsäulen in Hamburg und Berlin mit dem Smartphone bezahlen. Dabei wird das Pay-Pal-Konto des Kunden in die Shell-App eingebunden. Die Identifikation erfolgt per PIN oder Fingerabdruck und schon lässt sich der Tankvorgang starten. Das deutschlandweite Roll-out ist für das vierte Quartal 2017 geplant. Darüber hinaus lässt eine weitere Kooperation hoffen: Visa und PayPal arbeiten ebenfalls zusammen, um eine ähnlich starke Position zu erreichen wie bei Kreditkarten.

Von Mastercard, paydirekt und Sparkassen

Und ein weiteres Kreditkarteninstitut mischt mit: Kunden, die eine Mastercard besitzen, können die Banking-App des Unternehmens zum Bezahlen an weltweit sechs Millionen Akzeptanzstellen der Kreditkarte verwenden. Das Angebot von Mastercard basiert auf der NFC-Technik und funktioniert bisher ausschließlich auf Android-Smartphones. Die positive Nachricht: Bei Beträgen bis 25 Euro genügt es, das Smartphone zu entsperren und an das Kassenterminal zu halten – der gesamte Bezahlprozess ist verschlüsselt.

Kunden der Commerzbank, comdirect, Deutsche Bank, Hypovereinsbank, Postbank und Oldenburgische Landesbank können über die paydirekt-App seit Juli dieses Jahres Geld an Kontakte aus dem Smartphone-Adressbuch schicken – das gilt für Beträge bis 200 Euro. Das Geld empfangen können auch Girokontoinhaber, die nicht bei paydirekt registriert sind. Volks- und Raiffeisenbanken sollen schrittweise in das Peer-to-Peer Angebot eingebunden werden.

Wussten Sie, dass darüber hinaus bereits 14 Millionen Sparkassenkunden eine NFC-fähige Girocard im Portemonnaie haben? Vielleicht gehören Sie sogar dazu. Bis Ende des Jahres steigt die Chance: 20 Millionen weitere Karten sollen hinzukommen. Das mobile Bezahlen soll laut dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) dann ab der ersten Hälfte des kommenden Jahres möglich sein. In Niedersachsen sind bereits Pilotprojekte gestartet: Mit der Kasseler Bank, Vodafone und Edeka.

Punkte sammeln mit Edeka und Co.

Edeka selbst hat, wie einige andere Handelsketten, eigene Apps auf dem Markt, die auf NFC oder QR-Codes basieren. Dazu gehören beispielsweise auch Aldi und Lidl. Bisher sind diese Insellösungen jedoch nur mit Stammkunden in Kombination mit Bonusprogrammen aktiv.

Apropos Bonusprogramm: Seit Juni 2016 können die rund 30 Millionen Kunden des Loyality-Programms der Payback-App auch mit dem Smartphone bezahlen: Dafür muss man in der App seine Bankdaten und eine PIN hinterlegen. Payback-App ist insofern besonders, dass es auf NFC und QR-Codes setzt, wenn auch nicht überall im Handel beide Varianten verfügbar sind. Zum jetzigen Zeitpunkt kann man bei etwa 8.500 Händlern per Direct Debit (Lastschrift) bezahlen und Bonuspunkte von Rewe, Galeria Kaufhof, Aral, dm, und vielen anderen sammeln.

Während die Deutsche Telekom und O2 ihre Wallet-Apps aufgrund mangelnder Kundenfreundlichkeit aufgeben mussten, hat Vodafone seine Bezahllösung weiterentwickelt: Die aktuelle Variante basiert auf NFC und funktioniert mi allen Visa-Kreditkarten und PayPal. Auch hier profitieren die Nutzer von Rabatten, Gutscheinen und einem digitalen Parkscheinservice.

Weitere Informationen

Neben den vorgestellten Lösungen gehen wir im Mobile Payment Whitepaper noch auf weitere ein, darunter die virtuelle Prepaidkarte „Boon“ des deutschen Payment Service Providers Wirecard oder die „SEQR“-App des schwedischen Zahlungsdienstleisters Seamless. Darüber hinaus finden Sie darin ausführliche Informationen zu den aktuellen Mobile-Payment Trends weltweit, dem Stand in Deutschland hinsichtlich des mobilen Business-Ökosystems und Auswirkungen sowie Empfehlungen für den Finanzsektor.