Mobile Payment: Neue Richtlinien für mehr Akzeptanz in Deutschland?


GFT hat das im Herbst 2016 veröffentlichte Whitepaper zum Thema Mobile Payment neu aufgerollt und diesmal den Fokus auf Deutschland gelegt. Zusammengefasst klingen die Ergebnisse altbekannt: Wir Deutschen lieben unser Bargeld nach wie vor wie sonst kein anderes Land. Doch die Gründe hierfür sind vielfältig – und es tut sich was in Sachen Akzeptanz. Eine repräsentative Befragung der Deutschen Bank im Juli dieses Jahres zeigte, dass mittlerweile 71 Prozent der jüngeren Kunden durchaus bereit wären, kleinere Beträge mit dem Smartphone zu begleichen. Hinzu kommen verschiedene EU-Richtlinien, die das Vertrauen der Konsumenten stärken dürften. Ein Überblick.

Überall dort, wo große Digitalkonzerne wie Google oder Apple mit einer Payment-Lösung antreten, gelingt es ihnen meist, eine starke Marktposition zu erreichen. Das gilt insbesondere für den nordamerikanischen Kontinent und Asien. Doch auch Afrika überrascht: Die Zahl der Mobile-Payment-Nutzer steigt hier weiterhin kontinuierlich. In Europa sind südliche Länder wie Spanien oder Italien federführend, wenn es um die Verbreitung von Mobile Payment geht. Insgesamt ist das Rennen um die Gunst der Kunden in vielen europäischen Ländern jedoch weiterhin offen.

Für Deutschland fehlt vor allem ein flächendeckendes Angebot und noch immer kämpfen Anbieter um die Auflösung der Vorbehalte bei den Konsumenten. Bei einer ING-DiBa Umfrage gaben drei von vier Konsumenten beispielsweise an, dass sie beim Bezahlen mit dem Smartphone am ehesten einer App ihrer Hausbank vertrauen würden. Zum entsprechenden Angebot eines oben genannten Digitalkonzerns hätte dagegen nur etwa jeder Zehnte Vertrauen.

Zahlungsrichtlinie PSD2 sollen mehr Sicherheit und Wettbewerb in den Markt bringen

Die gute Nachricht für Deutschland: Der Finanzsektor muss in den kommenden Jahren zahlreiche EU-Vorgaben umsetzen, die deutlich mehr Sicherheit und Wettbewerb in den Markt der mobilen Bezahllösungen bringen soll.

An erster Stelle zu erwähnen: Die Erweiterung der Richtlinie PSD. Die „Payment Services Directive“ definiert Zahlungsdienste, also Überweisungen, Lastschriften, Kartenzahlungen und legt in der EU den Rechtsrahmen für die Anbieter von Zahlungsdiensten fest. PSD2 soll nun – ab ihrem Inkrafttreten 2018 – die Entwicklung innovativer Payment-Services fördern, aber auch den Verbraucherschutz bei Zahlungen und die Sicherheit der Zahlungsdienste erhöhen.

Das bedeutet im Detail, dass strengere Sicherheitsanforderungen für die Verarbeitung elektronischer Zahlungen eingeführt werden und der Schutz der Finanzdaten aller Kunden erhöht wird. Die Öffnung des EU-Zahlungsverkehrsmarktes für Anbieter, die Zahlungsdienste für Verbraucher oder Unternehmen auf der Grundlage des Zugangs zu Informationen über das Zahlungskonto erbringen, bedeutet zunächst einmal mehr Marktteilnehmer. Diese Dienstleister müssen sich jedoch gegenüber der Bank eindeutig authentifizieren und dafür sorgen, dass die personalisierten Sicherheitsmerkmale für keine weitere Partei zugänglich sind. Die Verbraucherrechte werden darüber hinaus beispielsweise durch die Verringerung der Haftung für nicht autorisierte Zahlungsvorgänge sowie die Einführung eines bedingungslosen Erstattungsrechts bei Lastschriften (in Euro) weiter gestärkt.

Weitere EU-Vorgaben könnten Akzeptanz bei Endkunden erhöhen

Darüber hinaus sollen SecuRe Pay die Sicherheit von Internetzahlungen, das EU-US Privacy-Shield-Datenschutzabkommen den Schutz der Grundrechte der Bürger beim Datentransfer in die USA und die Kreditkartenregulierung PCI-DSS den Datensicherheitsstandard der Kreditkartenindustrie stärken. Durch die Einführung beziehungsweise Erweiterung all dieser Vorgaben wird möglicherweise auch in Deutschland die Akzeptanz für mobile Bezahlverfahren steigen.

Die Gründe, warum mobile Bezahlverfahren in Deutschland noch keinen Durchbruch erzielt haben, liegen jedoch nicht allein in Sicherheitsbedenken. Auch wenn die Angst vor Internetbetrügern, Datenklau, etc. für einen Großteil der noch immer hohen Hemmschwelle verantwortlich ist, kommen weitere Faktoren zum Tragen: Die geringe Bekanntheit vieler Marktteilnehmer beispielsweise und die Tatsache, dass es bisher keinen Marktstandard gibt, spielen eine wichtige Rolle.

Was das Zusammenspiel dieser Faktoren bewirkt und welche Chancen Finanzinstitute dennoch im Bereich Mobile Payment haben, verdeutlicht unser Mobile Payment Whitepaper mit aktuellen Markttrends sowie Auswirkungen und Empfehlungen für den Finanzsektor.