GFT InsurTech Serie | Virado aus Köln: „Wir öffnen den Markt auch für kleine Händler!“


In unserer InsurTech Serie sprechen wir mit jungen Unternehmen aus der Versicherungsbranche, um mehr über den Trend zu erfahren: Sind InsurTechs die neuen FinTechs? Was hat es mit der Berliner Digital Erklärung auf sich? Wie kann man die Branche revolutionieren? Den Beginn der Interview-Serie macht das Kölner Start-up Virado: Es bietet einen Service für Versicherungsmakler, der eine Vielzahl von Produkt- und Nischenversicherungen zum direkten Verkauf an Kunden zur Verfügung stellt. CDO Achim Hepp hat sich die Zeit genommen, unsere Fragen zu beantworten.

Ihr beschreibt euch selbst als Anbieter eines Dienstes für Versicherungsmakler. Was genau dürfen wir uns darunter vorstellen?

Achim: Mittlerweile sind wir schon einen Schritt weiter, aber fangen wir vorne an: Gestartet sind wir mit dem Ziel, Versicherungsmaklern Zugang zu Produkt- und Nischenversicherungen zur Verfügung zu stellen – und zwar komplett digital. Gerade das kleinteilige Geschäft rechnet sich im Aufwand kaum für den Makler und in der digitalen Einzelanbindung auch nicht für die Versicherungen. Gleichzeitig sind dies aber Versicherungen, die von jungen und modernen Menschen nachgefragt werden. Wir müssen uns nur anschauen, welche Versicherungen von dieser jungen Zielgruppe heutzutage als erstes abgeschlossen werden: Da hat das Smartphone das Auto längst abgelöst. Virado löst das Problem, indem wir den Zugang und die Abwicklung zu diesen Versicherungsprodukten zeit- und kosteneffektiv abbilden.

Dasselbe Problem zeigt sich allerdings auch im Handel, egal ob online oder stationär. Die Großen am Markt, wie ein Media Markt, können Versicherungskonzerne antanzen lassen, wenn sie beispielsweise eine Elektronikversicherung anbieten wollen. Der kleine Fahrradhändler nebenan, der als Zusatzleistung eine Versicherung anbieten möchte, hat keine Chance – die Versicherungen nehmen seine Kontaktanfrage schon gar nicht erst an. Es rechnet sich einfach nicht. Auch genau da kommen wir ins Spiel, denn über unsere Plattform können Makler nun auch Händler an uns anbinden. Ganz gleich, ob es sich hierbei um einen Onlinehändler handelt oder um den Laden nebenan. Diese Lösung ist einzigartig in Deutschland.

Innovative Technologien sind der Dreh- und Angelpunkt jedes Unternehmens. Wie wird eure Lösung die Branche revolutionieren?

Achim: Gerade mit unserer Virado POS Lösung wird es uns gelingen, den Markt für Händler zu revolutionieren. Schon allein dadurch, dass wir den Markt öffnen und Versicherungsprodukte als Zusatzleistung dem kleinen und mittelständischen Händler überhaupt erst zur Verfügung stellen. Das lässt sich nur durch eine konsequente, flexible und voll digitale Plattform wie Virado bewerktstelligen. Gleichzeitig bieten wir Versicherungsmaklern, die von vielen InsurTechs attackiert werden und Geschäft verlieren, eine neue Möglichkeit sich mit einzubringen und von bestehenden und neuen Geschäftskontakten zu profitieren.

Die Virado Gründer: Achim Hepp, Armin Molla und Christian Berlage (v.l.n.r.)

Arbeitet ihr mit etablierten Unternehmen in der Branche zusammen?

Achim: Selbstverständlich. Gerade im Versicherungsumfeld sind etablierte Unternehmen ein nicht zu unterschätzender Faktor in Sachen Vertrauen. In unserem Fall sind diese aber auch als Produktgeber wichtig, daher arbeiten wir derzeit bereits mit über 15 Versicherungsunternehmen zusammen. Dazu gehören große und etablierte Namen wie die Hanse Merkur.

Ihr seid eines der Unternehmen, das die Berliner Digital Erklärung unterzeichnet hat. Was hat euch zu diesem Schritt bewogen?

Achim: Auf der einen Seite ist es natürlich ein symbolischer Schritt, da wir zeigen, dass viele InsurTech Startups an einem Strang ziehen. Auf der anderen Seite gibt es durch die für das Versicherungswesen typischen alten Strukturen und Vorschriften Produkte, die nicht mehr zeitgemäß sind. Das muss adressiert und geändert werden. Mit der Berliner Digital Erklärung wollten wir dafür einen Anstoß geben, der hoffentlich von Konzernen und Politik aufgenommen wird und sich in Änderungen niederschlägt.

Und eine kurze Frage zum Schluss: Ist InsurTech nach FinTech das nächste Trendthema für die Versicherungs- und Finanzbranche?

Achim: Die Versicherungsbranche war auch schon aktiv, bevor der Begriff „InsurTech“ aufkam, nur wurde die Thematik damals noch unter dem Begriff „FinTech“ gruppiert. Die Schaffung des Wortes Insurtech ist sogesehen vor allem eine konsequente Entwicklung und zeigt, dass der Bereich erwachsen wird. Das bedeutet ohne Frage, dass wir durch eine kurze Trendphase gehen und in diesem Bereich wichtige Strukturen für die Start-up Szenze schaffen. Genau dies ist zum Teil in den letzten Monaten bereits geschehen, wir hatten einige Meet-ups und haben an Konferenzen teilgenommen. Das gilt auch für den Blick auf Investements: Hier bilden sich eigene Fonds, die speziell auf die Versicherungsbranche ausgelegt sind.

Das klingt, als würde es auch in Zukunft spannend bleiben… Wir wünschen viel Erfolg und sagen herzlichen Dank für das Interview, Achim!