„Keine Angst davor haben, Dinge auszuprobieren“


Vereinbarkeit von Familie und Beruf – geht das wirklich? Ja, sagt Silke Tessmann-Storch, die als Senior Project Managerin bei GFT bereits viele interne als auch externe Kundenprojekte geleitet hat. Sie selbst hat zwei Töchter und betreut als Mentorin zusätzlich zum Tagesgeschäft acht Mitarbeiter. Ein Interview über mehr als Karriere und Kinder, Quereinsteiger in der IT-Branche und (gar nicht mal nur) frauenspezifische Tipps.

Silke, was genau sind deine Aufgaben bei GFT?

Silke: Angefangen habe ich als Projektleiterin, eine Aufgabe, die ich schon in meinem alten Job ausgeübt habe. Dazu muss man wissen: Ich selbst habe keinen klassischen IT-Hintergrund und bin auch keine Entwicklerin, sondern habe Betriebswirtschaft studiert. Trotzdem habe ich schnell die komplette Programmverantwortung für verschiedene Projekte übernehmen dürfen. Heute bin ich in der Client Unit Markets tätig, kümmere mich um das Delivery Management für ein größeres Kundenportfolio und das Account Management für einige ausgewählte Kunden. Zusätzlich habe ich seit einigen Jahren die Verantwortung für das Mentorenkonzept der PSU Technology in Deutschland. In den 9 Jahren, die ich nun bei GFT tätig bin, habe ich schon viele Rollen durchlaufen, mit zwei kleinen Unterbrechungen: Während meiner Zeit bei GFT habe ich auch meine beiden Töchter bekommen.

Dann bist du also ein perfektes Beispiel dafür, dass sich Karriere und Familie vereinbaren lassen!

Silke: Ja, mit allen Höhen und Tiefen. Zunächst mal ist es wirklich toll, dass unser Beruf genug Flexibilität bietet, um beides schaffen zu können. Ich war in vielen Projekten tätig, die diese Flexibilität erlaubten und auch meine jetzige Rolle ermöglicht es mir, viele Termine selbst vorzugeben. Wenn man dann noch eine Familie im Hintergrund hat, die einen unterstützt, dann lässt sich das alles machen. Aber man muss sich schon bewusst sein: Abends arbeiten gehört dann dazu. Wenn es eben gilt, ein Angebot fertigzustellen, schiebe ich auch mal eine Nachtschicht ein.

Ist diese Flexibilität in der IT-Branche grundsätzlich gegeben oder macht GFT das besonders gut möglich?

Silke: GFT hat diese Besonderheit speziell in der Unternehmenskultur verankert, davon bin ich überzeugt. Es ist aber ein Vorteil, den man in der IT-Branche im Allgemeinen häufig findet. In vielen Fällen ist es im Projektgeschäft leichter, eine gewisse Grundflexibilität anzubieten, wobei das natürlich auch immer auf den Kunden ankommt: Wenn dieser eine eher konservative Marschroute vorgibt und Anwesenheit von neun bis 18 Uhr erwartet, dann stellt man sich auch darauf ein. Mein Mann arbeitet aber auch in der IT, sodass einer von uns immer so planen kann, dass sich alle notwendigen Geschäftsreisen wie auch die Teilnahme an Elternnachmittagen im Kindergarten einrichten lassen. Ich muss also nicht viel opfern, um einen anspruchsvollen Job haben zu können und als Eltern teilen wir uns die Rollen auf.

So soll es ja eigentlich auch sein.

Silke: Ja und ich habe das nie als etwas sehr Besonderes empfunden. Meine Mutter war beruflich sehr erfolgreich und hat Vollzeit gearbeitet, sodass auch mein Vater immer einen wesentlichen Anteil am Familienalltag hatte und z.B. derjenige war, der uns nach der Schule zu Hause empfangen hat. Dieses Modell hat auch damals schon gut funktioniert.

Wo wir schon beim Rollenbild sind: Haben es Frauen schwer(er) in der IT?

Silke: Das ist schwer zu beantworten – allein schon, weil ich ja nicht weiß, wie das für die Männer ist. Ich habe das nie als ein bedeutungsvolles Thema empfunden. Wenn überhaupt, hatte ich das Gefühl, einen positiven Einfluss auf Projekte nehmen zu können: Es ist häufig der Fall, dass es im IT-Projektgeschäft einen enormen Männerüberschuss gibt, da kann es ganz gut tun, wenn eine weibliche Komponente dazu kommt. Aber negative Erfahrungen wie ungleiche Behandlung oder Mobbing habe ich nie gemacht. Bei uns zählt am Ende des Tages die Qualifikation, die eine Person mitbringt.

Du bist im GFT Mentorenprogramm auch stark als Mentorin involviert. Welche Skills braucht man für diese Rolle?

Silke: Wenn ich neue Mentoren einführe, gebe ich ihnen immer einen Rat mit: Dass sie sich die Menschen anschauen, die hinter der Arbeit stehen. Wir dürfen nicht automatisch davon ausgehen, dass die eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen per se mit denen des Mentees übereinstimmen. Jeder Mensch hat andere Ideen, Wünsche, Ziele und Prioritäten. Vergessen wir das oder schaffen es nicht, uns als Mentor selbst ein Stück zurückzunehmen, hindert uns das sehr, die Rolle gut auszuüben. Es geht darum, Individualität zu achten und zu respektieren.

Welche Aufgaben hast du als Mentorin?

Silke: Zum einen führe ich natürlich die traditionellen Jahresgespräche inklusive Zielerreichung und Zielvereinbarung. Zum anderen bin ich auch dafür zuständig, die Entwicklungsplanung zu machen. Also Trainings zu organisieren, Fördergespräche zu führen oder Promotionen zu begleiten. In der Regel sind wir Mentoren losgelöst von der fachlichen Verantwortung, dadurch sind wir unvoreingenommener. Gleichzeitig gilt es aber auch, eine bestimmte Nähe zum Mentee aufzubauen, um zu erfahren, was seine täglichen Herausforderungen sind und was ihn antreibt. So können wir ihn auch adäquat fördern.

Welche Förder- und Entwicklungsmöglichkeiten bietet GFT?

Silke: GFT ist in den letzten Jahren stark gewachsen und wir profitieren vom täglichen Austausch auf internationaler Ebene. Das ist nicht immer ganz einfach, aber ein absoluter Pluspunkt für die berufliche und persönliche Entwicklung. Wer eher technisch orientiert ist, hat darüber hinaus einen enormen Pool an Optionen. Das Schöne an der Projektwelt ist, dass man mit jedem neuen Projekt – mögen diese noch so unterschiedlich sein – Erfahrungen sammelt, die einem für die nächste Aufgabe helfen. Und GFT ermöglicht jedem, der Offenheit, Interesse und Neugier mitbringt, verschiedene Projekte und Aufgaben kennenzulernen und sich ein paar neue Schuhe anzuziehen, die am Anfang auch mal noch eine Nummer zu groß sein können. Ich persönlich hätte mir vor ein paar Jahren nie träumen lassen, dass ich auch mal als Account Managerin Kunden betreue. Es sind wirklich alle Wege frei.

Hast du als Key Account und Delivery Managerin vielleicht noch einen speziellen Tipp für Frauen in der IT?

Silke: Authentisch sein. Bloß nicht verschüchtert auftreten oder nicht sagen, was man will oder denkt. Keine Angst davor zu haben, den Mund aufmachen, Dinge auszuprobieren! Nur so kommt man weiter. Sind diese Tipps frauenspezifisch? Wahrscheinlich nicht. Aber Frauen neigen vielleicht eher dazu, sich nicht in den Vordergrund zu drängen. Wenn dir aber etwas auffällt – und als Frau vielleicht auch mal auf emotionaler Ebene – dann darfst du das ruhig ansprechen. Ich zumindest habe damit durchaus positive Erfahrungen gemacht.

Vielen Dank für das Interview, Silke!