CODE_n CONTEST // Meet the FinTechs: Bitcoins im Fokus


Über Bitcoins hört man dieser Tage nicht nur Gutes. Die Kryptowährung kommt immer wieder mit Negativschlagzeilen in die Medien. Aber jede Medaille hat zwei Seiten! Unser Applied-FinTech-Finalist Bit2Me sagt von ihrem Geschäftsmodell selbst: „Bitcoins zu kaufen und verkaufen, war nie so einfach“. In unserem Interview erzählt CEO Leif Ferreira, wie sein Startup das genau anstellt und räumt mit Vorurteilen gegenüber Bitcoins auf.

Was genau verbirgt sich hinter Bit2Me? Wie ist euch die Idee dazu gekommen?

bit2me_logoLeif: Bit2Me ist ein spanisches Unternehmen und wurde 2015 mit Fokus auf die Blockchain-Technologie gegründet. Wir haben zwei der besten Blockchain-Programmierer Europas, die im Oktober 2015 sogar die Fintech Americas Weltmeisterschaft gewonnen haben. Eine der größten Banken der Welt, die CaixaBank, hat uns letztes Jahr als bestes Startup in Spanien ausgezeichnet.

Vor einem Jahr, war die interne Frage bei uns: Können wir Banking mit Einheimischen anstelle von traditionellen Banken machen? Kann eine Bank ein Tool und kein Service sein? Es gibt Länder, da ist es teurer, ein Jahr lang ein Konto zu führen als ein Smartphone mit Internet zu besitzen. In diesem Zusammenhang haben wir erkannt, wie Banking ohne Banken funktionieren kann, ohne zwischengeschaltete Unternehmen – mit dem Nutzer im Zentrum. Wir nennen das die natürliche Evolution des Banking. Es ist eine andere Perspektive der Gestaltung.

„Digital Disruption“ – das ist das Motto des diesjährigen CODE_n CONTEST. Was macht eure Lösung innovativ, was macht sie disruptiv?

Leif: Hive ist eine mobile Anwendung, die auf eine disruptive Weise den Finanzmarkt dezentralisiert. Es entsteht ein soziales und offenes Banking-Ökosystem, das nie das Geld der Leute berührt. Es erlaubt ihnen, sich selbst zu organisieren, um ein menschliches Peer-to-Peer-Finanznetzwerk zu kreieren.

Dabei sprechen wir von einer ganz anderen Herangehensweise an das Thema Banking. Der Nutzer steht im Zentrum. Unsere Vision ist es, Nutzer die Möglichkeit zu geben, sich um dieses Netzwerk herum selbst zu organisieren – und das Ganze braucht nur unsere benutzerfreundliche App. Aus Sicht des Nutzers gibt es nur Euros, Dollars, Pesos vom Anfang bis zum Ende des Prozesses.

Hive-Nutzer können eine Rolle als „menschlicher Geldautomat“ einnehmen, andere Nutzer können so Geld hinzufügen oder abheben. Wenn ein Nutzer als „menschlicher Geldautomat“ eingesetzt wird, erhält er ein Honorar für diese Aufgabe. Es wird ein menschliches Netzwerk geschaffen, in dem Finanzprodukte wie Kredite oder Investments beinhaltet sein können. Wie bereits erwähnt, können Hiver-Nutzer also nur eine Anwendung mit einer Balance in einer bekannten Währung sehen, aber im Kern wird die Blockchain-Technologie genutzt und Währungen, die von der Kryptographie eines globalen Netzwerks gestützt werden, mit einer Rechenkraft höher als Google.

Ihr seid einer der 13 Finalisten im Wettbewerbscluster „Applied FinTech“. Was denkst du, welchen Herausforderungen sich junge Unternehmen in dieser Branche stellen müssen? Und wie bewältigt ihr diese Herausforderungen?

Leif: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es Zyklen für Zahlungswege gibt und alles deutet darauf hin, dass wir uns am Beginn eines neuen Zyklus befinden. 2020 werden wir ungefähr 10 Milliarden Menschen sein. Eine Bevölkerung, mit der Kraft einer Selbstorganisation wie nie zuvor – und Hive kommt, um hier zu unterstützen. Die Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, sind kulturell und psychologisch, nicht technisch. Die Nutzer haben die Macht zur Selbstorganisation und wir bieten das Tool dafür. Wir sind gespannt darauf, das auf der ganzen Welt umzusetzen.

In der Vergangenheit haben Bitcoins oft den Ruf gehabt, häufig von Kriminellen benutzt zu werden. Indem Nutzer und Prozesse autorisiert werden und mit registrierten Geldautomaten gearbeitet wird, stellt ihr sicher, dass das mit eurer App nicht passieren kann. Wie geht ihr mit der immer noch negativen Behaftung der Bitcoin-Thematik um?

Leif: Wie bei E-Mails, dem Internet oder allem anderen in der Welt, werden Bitcoins (und Geld im Allgemeinen) von Kriminellen benutzt. Es wäre also verrückt, das Internet oder jegliche andere Technologie zu zerstören mit dem Argument, es wird von Kriminellen benutzt – obwohl die Vorteile für die Menschheit überwiegen. Aber Bitcoin ist transparent. Das Problem von Bitcoin ist nicht, dass es von Kriminellen benutzt wird, das ist nur die Maske des echten Problems. Das echte Problem ist, dass es nicht von einer zentralen Kraft gemanagt wird und die Vorteile für die Leute sind und nicht für diese Kraft. Bis Banken nicht verstehen, dass Leute bessere tools und verschiedene Szenarien für die Arbeit mit neuem, effizientem, billigem und schnellem Geld haben, werden sie raus sein aus dem aktuellen Spielelevel. Sie wollen nach der Erfindung des Kühlschranks Eis zum immer noch gleichen Preis verkaufen. Wir schlagen ein anderes Schema vor, indem wir eine Plattform zur Verfügung stellen, um Finanzen zu dezentralisieren und ein soziales und transparentes Banking-Ökosystem aufbauen, das das Geld der Nutzer nicht vorhält.

Vielen Dank für das Interview, Leif!