Ohne Wandel geht es nicht – Banken müssen Chancen der Digitalisierung nutzen


Die globale Finanzbranche ist im Umbruch. Neue Technologien bedrohen alte Strukturen. Digital Banking boomt, insbesondere das mobile Banking. Die Innovationskraft von FinTechs sorgt für Bewegung – auf Basis der neuen, digitalen Kundenwünsche treiben sie Banken an, die Herausforderungen der Digitalisierung anzunehmen.

udz

Vor zwei Jahren noch wurden FinTechs belächelt, mittlerweile hat sich die Szene verändert. Die innovativen Finanzlösungen und Ideen der jungen Tech-Unternehmen spielen eine zunehmend wichtigere Rolle und werden unseren Umgang mit dem lieben Geld völlig umkrempeln. Ob Instant Payment, Bezahlen per QR-Code, Peer-to-Peer-Kreditvergabe, Blockchain-Anwendungen oder auch Beratung durch Roboter und Robotrade – FinTechs stürmen mit ihren Technologien sämtliche Bereiche des Zahlungsverkehrs.

Die Basis des Erfolgs: der Kunde.

Insbesondere im Endkundengeschäft – das einige Banken über Jahre vernachlässigt und damit Vertrauen verspielt haben. In Deutschland gibt es mittlerweile rund 400 FinTechs. Und die neuen Dienstleistungen der Startups sind wegweisend. Besonders chancenreich sind laut dem Bundesverband deutscher Banken (BdB) derzeit Services rund um digitale mobile Zahlungen und Überweisungen.

Der Druck auf etablierte Banken wächst entsprechend, sie öffnen sich mehr und mehr, starten Kooperationen mit den jungen Wilden oder eigene Initiativen. So beispielsweise die Deutsche Bank, die „Innovation Labs“ in London, Palo Alto und Berlin eröffnete und zusätzlich in Frankfurt am Main rund 400 neue Arbeitsplätze für das Thema Digitalisierung in der Digitalfabrik schaffen will. „Wir bauen eine digitale Denkfabrik“, sagt dazu Deutsche-Bank-Manager Dr. Patrik Pohl beim jüngst von der GFT und Deutschen Bank initiierten FinTech Talk in Frankfurt. Will heißen: Frisches Blut, am besten Persönlichkeiten mit digitaler DNA und neue Ideen müssen her. Die jüngste Initiative des Frankfurter Finanz-Hauses mag 17 Jahre nach dem Launch des amerikanischen Online-Payment-Vorreiters Paypal anachronistisch anmuten, doch die Deutsche Bank unterstreicht damit, dass sich auch die großen Tanker der globalen Geldwirtschaft bewegen.

Besser spät als nie.

Neue Technologien bedrohen traditionelle Strukturen – aber bieten doch vor allem große Chancen. Auch indem Wege mit „anderen“ eingeschlagen werden. „Gemeinsame Kooperation mit Startups wandeln unsere Branche nachhaltig und verändern die Wertschöpfungskette“, so Pohl weiter.

Es wird Zeit, dass die Finanzwirtschaft die Chancen der Digitalisierung erkennt und nutzt. Denn die Entwicklung ist substanzieller Natur – Banken müssen ihre Rolle im System neu denken. „Längst geht es nicht mehr nur um das Banking der Zukunft, sondern die Bank der Zukunft“, sagt etwa FinTech-Unternehmer und figo-Gründer André Bajorat, der mit seiner „Banking-as-a-Service“-Plattform ein Bindeglied zwischen der klassischen Finanzwelt und modernen Finanzlösungen ist.

Auch Christian Tiessen von Savedo, Vermittler von Festgeldanlagen im EU-Raum, ist so ein Tech-Vordenker mit digitaler DNA, der den FinTech Talk nutzte um zu zeigen, wie die digitale Transformation im Finanzsektor voranschreitet. „Fast alle Finanzgeschäfte können heute im Internet erledigt werden“, sagt Thiessen. „Man nutzt auch nicht mehr nur eine Bank, sondern verschiedene Anbieter – und das zieht sich mittlerweile durch fast alle Altersklassen.“

Weltweit legt der bargeldlose Zahlungsverkehr kontinuierlich zu – laut dem World Payments Report um acht Prozent pro Jahr. Und wie eine brandneue Bitkom-Studie zeigt, tätigt jeder dritte Online-Banking-Nutzer seine Bankgeschäfte bereits mit dem Smartphone, 70 Prozent der Internet-Nutzer erledigen ihre Transaktionen online. Und nicht weniger interessant: Fast ein Drittel der User ist bereit, Bankgeschäfte über Internet-Unternehmen abzuwickeln.

Tendenz steigend.

Die provokante – auch in Frankfurt beim FinTech Talk angerissene – Frage bleibt: Welche Rolle bleibt den Banken? Im längst selbstverständlichen Online-Zahlungsverkehr mit Platzhirsch Paypal etwa treten traditionelle Banken mit ihren Marken gar nicht mehr in Kontakt mit den Kunden – sie müssen sich mit der Zahlungsabwicklung im Hintergrund zufriedengeben und ihre Geschäftsmodelle neu ausrichten. Virtuelle Währungen und neue Blockchain-Anwendungen werden diesen Prozess weiter beschleunigen. Das kann den Banken auf den ersten Blick nicht gefallen. Aber muss es zwingend negativ sein? Kann es nicht viel mehr auch neue Geschäftsopportunitäten eröffnen? Nehmen wir nur das Identity-Management – hier könnte sich eine Bank komplett neu positionieren. Die Daten sind vorhanden – das Kundenvertrauen auch. Letztlich geht es darum, sich schneller zu bewegen – und von der unglaublichen Dynamik und Flexibilität der Digital-Branche zu lernen.

Nicht zuletzt fehlen Visionen.

Immer wieder geht es in den letzten Monaten um die Frage „Banken vs. FinTechs“ oder „Old Economy vs. New Economy“. Diese Diskussion ist Unsinn. Viele Bank-Manager sehen das genauso. Unterm Strich geht es trotz aller Disruptions-Ängste darum, gemeinsam die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und davon zu profitieren. Ohne Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Bankhäusern wird das nicht gehen – hier ist ein Umdenken notwendig. Das bedeutet, über Jahre hinweg Produkte auszuprobieren, Geduld und zugleich Flexibilität an den Tag zu legen sowie nicht nur kurzfristig auf den Return on Investment zu schauen.

Auf dem ersten new.New Festival unserer Innovationsplattform CODE_n im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe werden Banken und FinTechs wieder aufeinandertreffen. 13 FinTech-Finalisten unseres internationalen Startup-Wettbewerbs werden ihre Ideen und Geschäftsmodelle präsentieren. Es wird gemeinsame Diskussionsrunden, Pitches und Workshops geben, in denen die Gestaltung einer Bank der Zukunft in den Fokus rückt. Mit weiteren 39 Startups aus den Bereichen Connected Mobility, HealthTech und Photonics 4.0 haben sie die Chance, den CODE_n CONTEST unter dem Motto „Unveiling Digital Disruption“ samt 30.000 Euro Preisgeld zu gewinnen. GFT als Technologiepartner weltweit führender Finanzinstitute hat selbst die Patenschaft für das FinTech-Cluster übernommen. In Karlsruhe wird es übrigens auch die nächste Runde des FinTech Talks geben.

Ich freue mich auf spannende Diskussionen im ZKM in Karlsruhe – und mit Ihnen hier in dieser Innovationskolumne. Wir müssen lernen, Produkte und neue Technologien besser zu inszenieren – der Mensch ist per se erpicht darauf, zu wissen, was in der Zukunft passiert. Daran müssen wir in Deutschland arbeiten.

Inspiration und Begeisterung – das sind die Schlüssel der Zukunft.

Seit der Gründung 1987 leitet Ulrich Dietz die GFT und führt heute als CEO der GFT Technologies SE das Unternehmen in die Zukunft. Neben seiner Funktion als GFT Chef nimmt Ulrich Dietz auch Gremientätigkeiten auf nationaler Ebene wahr. 2013 wurde er zum Vizepräsidenten des Bitkom gewählt. Hier setzt er sich insbesondere für die Förderung und den Ausbau der internationalen Beziehungen in der deutschen IKT-Branche ein. In dieser Innovationskolumne schreibt Dietz ab sofort regelmäßig zum digitalen Wandel, Startups, IT-Trends, neuen Geschäftsmodellen und zum vernetzten Alltag – persönliche Eindrucke inklusive.