Neues Projekt in der Versicherungsbranche: Modernisierung eines Kernsystems


VIAS 2.0 – hinter diesem Namen verbirgt sich nicht etwa eine neue Kreditkarte, sondern ein Großprojekt, das GFT vor kurzem gewonnen hat. Worum es geht? Die Modernisierung eines Kernsystems in der Versicherungsindustrie, so dass dieses branchenspezifische und regulatorische Anforderungen erfüllen kann. Damit kommen spannende technische und konzeptionelle Aufgaben auf unser Team zu.

Kurz gesagt steht das Projekt rund um die Individualsoftware VIAS 2.0 für die Um- und Neugestaltung des Kernsystems unseres Kunden auf zwei Ebenen. Zum einen muss das neue System auf modernen Technologien basieren, wirtschaftlich rentabel und vor allem auch zukünftig erweiterbar sein. Zum anderen müssen auch die regulatorischen Anforderungen der Branche umgesetzt werden können. Unser Kunde ist Teil der Dachorganisation der gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland. Seine Hauptaufgabe ist die Administration, Koordination und Ausführung von Kostenabrechnungen zwischen inländischen Krankenversicherungen und entsprechenden ausländischen Trägern.

Kunden in 50 Ländern: eine Vielzahl von Herausforderungen

Konkret kann man sich das dann so vorstellen: Sie verreisen als Deutscher nach Brasilien, werden krank und gehen dort zum Arzt. Die Rechnung dieses Arztes landet nach der Bearbeitung beim brasilianischen Krankenversicherungsträger letztlich auf dem Tisch unseres Kunden in Deutschland. Das gleiche gilt auch umgekehrt: Wenn ein italienischer Tourist ein deutsches Krankenhaus aufsuchen muss, stellt unser Kunde sicher, dass die Rechnung beim richtigen Counterpart in Italien landet.

Dabei sind Deutschland, Brasilien und Italien nur ein paar Beispiele. Tatsächlich funktioniert dieses Konzept in 50 verschiedenen Ländern weltweit. 50 Länder bedeuten jedoch auch 50 Verträge, eine Vielzahl unterschiedlicher Regeln, Prozesse, Formulare und Methoden zur Datenübertragung. Nicht zu vergessen sind allerhand Sonderfälle: Ein in Mallorca lebender Rentner, der weiterhin in Deutschland versichert ist; pauschale Abrechnungsvereinbarungen mit bestimmten Ländern, usw…

In Zahlen ausgedrückt wird die Tragweite noch einmal deutlicher: Jährlich verursachen rund 2,5 Millionen Deutsche Kosten im Ausland und 26 Millionen Ausländer nutzen jedes Jahr das gesetzliche Krankenversicherungssystem in Deutschland.

GFT gestaltet und programmiert modernes Kernsystem

Unsere Aufgabe bei GFT ist nun, die komplette Neuentwicklung des Kernsystems unseres Kunden um all die eben aufgezählten Fälle überhaupt erst bearbeitbar zu machen. Denn die jetzige Software kann die zukünftigen Anforderungen nicht mehr erfüllen. Das modernisierte Kernsystem soll, basierend auf einer starken Software-Architektur, Systembauweise und einer klaren Datenkapselung, wirtschaftlich instand haltbar und möglichst flexibel sein. Für die technikinteressierten Leser sei gesagt: Die Anwendung wird auf Java, Spring und der neuesten HTML5 Frontend Technologie Angular JS basieren.

Wasserfall-Prinzip und agile Methoden

Der Austausch eines Kernsystems muss von Anfang an gut durchdacht werden. 15 Monate haben wir dafür Zeit. Wie geht man also an ein solches Projekt heran? Wir haben die einzelnen Arbeitsschritte und Bausteine in Phasen unterteilt und kombinieren das klassische Wasserfall-Vorgehen mit Komponenten aus der „Agilen“ Welt.

In der ersten Phase schaffen wir die Basis für alles, was kommt: Ein Großteil unserer Arbeit widmet sich also zunächst dem Systementwurf, welcher alle Anforderungen klar auflistet, bevor wir in die eigentliche Entwicklung einsteigen. Um eine zuverlässige technische Grundlage garantieren zu können, erstellen wir in dieser Phase auch bereits einen Großteil der Systemarchitektur. Damit dann auch das Look & Feel am Ende stimmt, denken wir bereits in dieser Phase an das Konzept für die Benutzeroberfläche und erstellen einen Prototyp.

Die zweite Phase gleicht dann mehr der Herangehensweise von „Agile“. Im Rahmen eines iterativ-inkrementellen Entwicklungsprozesses und Vorgehens vervollständigen wir kontinuierlich den  Systementwurf, während wir gleichzeitig Stück für Stück an der Implementierung der Software arbeiten.

Und dann wäre da noch die Regulierung…

Selbstverständlich hat die Modernisierung eines Kernsystems auch seine Tücken. Sieht man sich die Geschichte unseres Kunden an wird klar, dass ein solches Großprojekt nur mit entsprechendem Know-how und Ressourcen sowie vor allem auf Vertrauensbasis beider Seiten gelingen kann. Denn es ist nicht das erste Mal, dass hier versucht wird, die alte Software gegen eine neue, moderne und allen Anforderungen gerechte Software zu ersetzten.

Mit unserer Methode werden wir das technologische Ziel jedoch erreichen und sind zuversichtlich, mit unserem Kunden auch das nächste Projekt gemeinsam durchführen zu können: Dabei wird es dann darum gehen, die umfangreichen Anforderungen zum Datenaustausch umzusetzen, die durch anstehende EU-Regulierungen diktiert werden. Darüber gibt es auf dem GFT Blog alle Informationen, wenn es soweit ist.