FinTech Serie: Automatisierte Aktienanalyse mit Damantis


Unsere FinTech Serie geht in die nächste Runde – dieses Mal mit Damantis. Gründer und Querdenker Jörn Schimanski merkte am eigenen Leib wie kosten- und zeitineffizient Aktienanalysen sind. Seine Idee: Aktienanalysen systematisieren, bestehende Ansätze digitalisieren und die Parameter optimieren. In unserem Interview erzählt Jörn Schimanski mehr über sein Startup.

DamantisLP

Was genau verbirgt sich hinter Damantis – wie ist die Idee dazu entstanden?

Jörn Schimanski: Damantis konzipiert und entwickelt Portfolio Intelligence Lösungen, die unseren Kunden helfen, ihre Performance am Aktienmarkt langfristig zu verbessern, Risiken zu minimieren und interne Prozesse (z.B. bei der Aktienauswahl) zu optimieren. Dafür entwickelt Damantis u.a. Trading Algorithmen, die Fundamentaldaten von Unternehmen analysieren und innerhalb von Sekunden objektive Rückschlüsse auf die Aktie eines Unternehmens in Form eines Scorings geben. Algorithmus und Scoring können beliebig individualisiert und auf die Strategien und Wünsche der Kunden angepasst werden. Dadurch kann Damantis maßgeschneiderte Lösungen für Geschäftskunden und Endverbraucher anbieten.

Ich habe selbst gemerkt, wie kosten- und zeitineffizient Aktienanalysen sind. Bei der Entwicklung eines ersten Systems merkte ich schnell, dass es ungenutzte Korrelationen zwischen Fundamentaldaten und dem Aktienkurs eines Unternehmens gibt. Mein Gedanke war es, Fundamentaldaten von Unternehmen und Kursentwicklungen stochastisch zu vergleichen und bestimme Kennzahl Konstellationen der Unternehmen mit Punkten zu gewichten, um so Wahrscheinlichkeiten für die zukünftige Kursentwicklung zu berechnen. Nach dreijähriger Entwicklungsarbeit ist ein Algorithmus entstanden, der nicht nur eine sehr gute Performance erzeugt, sondern beliebig anpassbar ist und täglich weiterentwickelt wird. Heute arbeitet ein sechsköpfiges Team, aus Portfoliomanagern, Programmierern, Mathematikern, Ingenieuren und Ökonomen an der Verbesserung der Technologie sowie an der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle rund um die Technologie.

An wen richtet sich Ihre Software – wem nützt sie?

Jörn Schimanski: Unsere Lösung richtet sich an Menschen, die sich privat oder beruflich mit Aktien beschäftigen. Privatanleger können auf unserer Plattform www.einfachaktien.net über 4.000 Unternehmen scannen und sich objektive Analysen der gewünschten Aktie anzeigen lassen. Die Daten der Aktienanalyse sind einfach, transparent und verständlich dargestellt. Durch ansprechende Visualisierungen und Informationen sowie durch das Scoring bieten wir dem Kunden einen echten Mehrwert und die Möglichkeit Aktien zu erleben und zu greifen. Jeder Anleger kann verstehen, wie eine Aktie analysiert wird und welche Kennzahlen, Fundamentaldaten und Faktoren positive bzw. negative Einflüsse auf die Bewertung haben. Informationsfelder und Erklärungen führen den Kunden durch die Aktienanalyse und helfen ihm Begriffe und Methoden aus der Fundamentalanalyse zu verstehen. Unsere Kunden erhalten dadurch volle Transparenz und durch unseren Algorithmus einen echten Informationsvorteil gegenüber etablierten Plattformen. Und das Beste daran, für Privatanleger ist der informative Teil des Portals kostenlos.

Gleichzeitig nutzen wir unser Know-How und unsere Technologie, um Geschäftskunden maßgeschneiderte Software und Algorithmen zur Verfügung zu stellen. Dadurch können unsere B2B Kunden (wie z.B. Banken, Vermögensverwalter und Portfoliomanager) ohne großen Entwicklungsaufwand und ohne hohe Investitionskosten von der Digitalisierung der Finanzbranche profitieren und auf White-Label Algo-Trading Lösungen zurückgreifen. Unsere Produktpalette umfasst maßgeschneiderte Lösungen zur Fundamentaldaten Visualisierung (Fundamental Visualization), zur Aktienauswahl (Stock Radar), zur Depotverwaltung und –optimierung (Portfolio Intelligence) und zum Erstellen von individuellen Algo-Trading-Lösungen (Algo-Builder). Unsere B2B Kunden können dadurch ihre etablierten Geschäftsmodelle digitalisieren und gleichzeitig viel Zeit und Geld sparen.

Was macht Ihre Lösung besonders innovativ? Welche Technologie steckt dahinter?

Jörn Schimanski: Wir unterscheiden zwischen Daten, Informationen und Wissen. Das Problem vieler Big Data Ansätze ist, dass die rohen Daten nutzlos sind. Wir verfolgen daher den Ansatz aus den enormen Daten, die der Finanzmarkt und seine Akteure produzieren, Informationen zu generieren und diese durch automatisierte Anreicherung und algorithmische Berechnungen in Finanzwissen zu transformieren. Dieses Wissen stellen wir unseren Kunden zur Verfügung so dass jeder verstehen kann, wie fundamentale Mechanismen auf Aktienkurse wirken. Wir produzieren Smart Financial Data und das innerhalb von Sekunden. Das generiert einen echten Mehrwert für unsere Kunden.

Wie wollen Sie die herkömmliche Finanzbranche mit Ihrer Lösung revolutionieren?

Jörn Schimanski: Algorithmen bzw. Algo-Trading Systeme werden in naher Zukunft eine immer größere Rolle auf den internationalen Finanzmärkten spielen. Laut einer Studie der UBS werden in 5 Jahren über 200 Mrd. US$ durch digitale Vermögensmanager in Europa verwaltet. Mit unserer Technologie und unserem Know-How wollen wir uns genau in diesem Bereich positionieren und auf die Aktien Portfolioerstellung durch Algorithmen spezialisieren. Derweil beschäftigen wir uns mit schwarmintelligenten Ansätzen und der gehypten Blockchain-Technologie, um in naher Zukunft unsere Algorithmen zu optimieren und weitere Parameter abzubilden. Vor allem der Bereich des aktiven Portfoliomanagements unterstützt durch fundamentale Algorithmen ist ein sehr interessantes Themenfeld und im deutschen Markt revolutionär. Unsere Algorithmen unterscheiden sich somit grundsätzlich von passiven Ansätzen wie z.B. von Robo-Advisern und Exchange-Traded-Funds. Dadurch sind wir in der Lage eigene Aktienportfolios algorithmisch zu generieren und diese in Zukunft als digitaler Vermögensverwalter zu vertreiben. Das Erstellen von Portfolios durch unsere eigene Technologie setzt neue Qualitäts- und Transparenzstandards. Das ist einzigartig.

Welche Herausforderungen sehen Sie für sich als junges Unternehmen und speziell in diesem Marktumfeld?

Jörn Schimanski: Als junges Unternehmen, das hauptsächlich aus dem technologischen Bereich kommt, ist es schwer, das volle Vertrauen der etablierten Branche zu gewinnen. Obwohl wir nach unserer eigenen Technologie traden und damit zu den Top-20 auf Wikifolio gehören, bedarf es viel Überzeugungsarbeit. Das Marktumfeld reagiert oft mit Skepsis, wenn wir die Outperformance unserer Technologie vorstellen. Vertrauen auszubauen ist somit die größte Herausforderung, sowohl im B2B als auch im B2C Bereich, und hat für uns die höchste Priorität.

Doch neben den Herausforderungen sehen wir vor allem Chancen und Nischen. Gerade im Bereich des Algo-Tradings und im Digital Asset Management verbirgt sich ein riesiges Potential sowohl für Fin-Techs als auch für die Endkunden, die von transparenten und digitalen Finanzprodukten profitieren können.