Mobile Payment: Europaweiter Standard kommt


Es tut sich was im Bereich Mobile Payment in Europa. Unseren Ansatz zum „Instant Payment“ hat vor wenigen Tagen mein Kollege Med Ridha Ben Naceur erläutert. Und auch die Rahmenbedingungen sind bald schon gegeben: Das European Payments Council, die European Banking Association (EBA) und die Europäische Zentralbank (EZB) arbeiten an einem gemeinsamen Standard für mobile Bezahlverfahren. Diese sollen künftig grenzübergreifend genutzt werden können; bereits existierende Lösungen will man implementieren. Und das noch in diesem Jahr. Standard also statt Insellösungen. Ist der Weg wirklich geebnet?

jiffy
(Quelle: https://www.sia.eu/)

Bringen wir die Technik zunächst nochmals auf den Punkt: Bei der Realtime P2P Überweisung wird der Begünstigte über die Telefonnummer identifiziert. Die Sicherheit, sprich Anmeldung und Authentifizierung wird von der Bank bereitgestellt. Ein wichtiger Faktor dabei: das Ganze basiert auf bereits existierenden Konten. Es kommt dann also zur Real-time Last- und Gutschrift, also einem sprichwörtlichem Instant Payment. Wir benötigen hierfür eine Open Solution, also eine Lösung, die die Anbindung einer neuen Bank zu Jiffy ermöglicht und so langfristig P2P Transaktionen mit allen teilnehmen Banken gewährleistet. Darüber hinaus werden dann nicht angemeldete Begünstigte automatisch eingeladen, den Service zu nutzen.

Jiffy erfüllt Empfehlungen des Euro Retail Payments Boards

Das klingt zunächst einfach, erfordert aber gewisse Rahmenbedingungen. Das Euro Retail Payments Board hat nach seinem zweiten Meeting Anfang Dezember des letzten Jahres folgende Empfehlungen abgegeben: ein neues elektronisches Bezahlsystem müsste 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr verfügbar sein. Eine Realtime Gutschrift beim Zahlungsempfänger mit einhergehender Bestätigung an den Zahlenden sollte ebenso gewährleistet sein, wie die Unabhängigkeit von den verschiedenen Zahlungsinstrumenten – das Bezahlsystem müsste überall einsetzbar sein. Das Settlement wiederum sollte nicht in Echtzeit geschehen, sondern zu den Cut-Off Zeiten. Das Bezahlsystem sollte nicht einem „Silo-Konzept“, sondern einem „Layer-Konzept“ folgen.

Unsere Lösung „Jiffy“, die wir gemeinsam mit SIA entwickelt haben, kommt all diesen Anforderungen und Empfehlungen übrigens bedingungslos nach. Denn genau hier sehen wir das Problem: in Spanien beispielsweise haben sich die Banken nun zusammengetan, um eine einheitliche Plattform zu schaffen. Auf den ersten Blick klingt das nach einem erstrebenswerten Konzept. Wenn wir aber die Standardisierung von Mobile Payment Konzepten zunächst nur auf nationaler Ebene vorantreiben und dann versuchen, aus vielen Konzepten ein europaweites zu machen, bekommen wir Probleme. Das sehen wir täglich im Finanzmarkt: die Integration der verschiedenen Parteien in einen einzelnen Markt ist nach wie vor einer der größten Herausforderungen, mit der die Europäische Union zu kämpfen hat. Wir sollen also von Beginn an grenzübergreifend denken, auch den Kunden zuliebe.

Vorteile für alle Beteiligten

Denn der Kunde kann mit einer Technologie, wie wir sie uns vorstellen, zwischen einer Vielzahl von mobilen Lösungen entscheiden. Neben P2P-Lösungen werden mobile Bezahlverfahren künftig verstärkt um neue Funktionen ergänzt werden, bspw. das Bezahlen am Kiosk, der Erwerb eines Skipasses… die Liste ist unbegrenzt. Er kann diese schnell und unkompliziert in allen Ländern nutzen, ebenso wie heute die EC-Karte. Für den Dienstleister ergeben sich natürlich ebenso Vorteile: Mit einem europaweiten Standard lohnen sich endlich Investitionen in added value Dienstleistungen. Diese können in Ruhe aufgebaut werden; eine Vielzahl von Geschäftsmöglichkeiten eröffnet sich.

So weit entfernt davon sind wir auch eigentlich nicht: Einige Länder haben ja bereits weitentwickelte Lösungen, die bereits im Markt integriert sind. Auch hier greift wieder das Jiffy-Beispiel in Italien. Diese Lösung ist mit allen Banken in der SEPA-Zone kompatibel und deckt in Italien einen erheblichen Marktanteil ab. Wir denken in Deutschland also durchaus darüber nach, Jiffy als eine Lösung für P2P Mobile Payments zu implementieren. Die Voraussetzungen, sind, wie erläutert, gegeben. Und es gibt sicherlich keine Zweifel daran, dass ein einzelner, konsolidierter und fortgeschrittener P2P Mobile-Payment Markt die einzige effektive Waffe gegen den Eintritt neuer technologischer Konkurrenten, den TechPays sein wird, deren Lösungen nicht zwischen Ländern unterscheiden, sondern eben nur in den Betriebssystemen: iOs, Android, Windows 8 Mobile. Diese Lösungen (wie bsp. Apple-Pay) haben den Markt noch nicht wirklich erobert: es ist also noch Zeit. Es ist aber eben auch an der Zeit, etwas zu tun. Der europaweite Standard wird hierbei für Finanzinstitute wichtig und hilfreich sein.

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