Frank Schwab, FidorTecS AG: „Wir sind ein FinTech Unternehmen mit einer Banking-Lizenz“


Frank Schwab, CEO der FidorTecS AG, hat eine Vision: Sein Unternehmen ermöglicht disruptives digitales Banking, in dem die Beziehung zum Kunden durch zukunftsweisende Technologien neu gestaltet wird. Als eine der ersten Deutschen Web 2.0 Banken verknüpft die Fidor Bank traditionelles mit neuem Banking und vernetzt den Kunden durch Peer-to-Peer Angebote. Schwab besuchte im Mai das GFT Digital Banking Lab in Sant Cugat, Barcelona. Während des Events sprach er mit uns über Branchentrends und seine eigenen Ideen für die Zukunft des Banking.

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Frank Schwab, CEO FidorTecS AG

Jeder spricht über die Zukunft des Bankings, aber lassen Sie uns mit der momentanen Situation beginnen: vor welchen Herausforderungen stehen Banken heute, wenn Sie die Erwartungen des Kunden erfüllen wollen?

Frank Schwab: Die Kunden von heute sind an Google, Twitter, Facebook, Uber und Amazon gewöhnt und sie erwarten die gleichen Erlebnisse im Banking: Nahtlose Dienste, die jederzeit zur Verfügung stehen und gewisse Bedürfnisse abdecken. Ein- und Auszahlungen, Überweisungen, Darlehen, Deposits, Hypotheken, An- und Verkauf von wertvollen Metallen, Peer-to-Peer Kredite, Crowdfunding, suchen Sie es sich aus…

Bringen wir es auf den Punkt: Dienste rund um das Banking müssen digital werden. Was sind Ihrer Meinung nach die Schlüsselelemente für eine erfolgreiche digitale Bank?

Frank Schwab: Ich sehe zwei Schlüsselelemente. Erstens: das Kundenerlebnis. Der digitale Kunde vergleicht und kauft Produkte im Internet, er liebt die Geschwindigkeit und den Komfort, den es mit sich bringt. Diese Kunden sind intelligenter denn je und sie nutzen alle verfügbaren Kanäle um zu kommunizieren. Digital sein bedeutet, dass ein tolles Kundenerlebnis geschaffen werden und Bankprodukte- und Dienste angeboten werden müssen, die 100% STP (Straight Through Processing, auf Deutsch, Durchgehende Datenverarbeitung) sind und ganz ohne manuelle Prozesse laufen. Zweitens: Daten und das damit verbundene Risiko-Management.

Und die Fidor Bank bietet diese Schlüsselelemente bereits an?

Frank Schwab: Die Fidor Bank ist auf einer Finanz-Community im Facebook-Style aufgebaut, sie schlägt die wichtige Brücke zum traditionellem Banking und bietet Produkte wie Konten, Zahlungen und Karten, genauso wie neue Bankdienste wie Peer-to-Peer-Kredite, Crowd Finanancing und Kryptowährungen. Fidor hat sich absichtlich für das Social Banking entschieden; ein Modell das dem konventionellen Banking widerspricht: Offenheit, Transparenz und Kundeneinbeziehung. Und wir wissen, wie Communities zu Geld werden.

Was machen Sie, um sich von anderen vergleichbaren Banken abzugrenzen?

Frank Schwab: Auch hier gibt es wieder verschiedene Elemente, die den Erfolg ausmachen. Erstens: Wir hören unseren Kunden zu. Zweitens: Wir bedienen ein Konto wie ein Smartphone. Wir öffnen einige unserer eigenen, als auch die Bankdienste von Drittparteien für unseren Kundenstamm und alle unsere Bankdienste durch eine offene Schnittstellen-Architektur für unsere KMU Kunden, alles unter dem Schirm unserer Banking-Lizenz. Drittens: Wir bieten den komfortabelsten Zugang zu allen Bankdiensten an, weltweit. Zumindest sagen uns das unsere Kunden.

Der Markt wächst rapide: Haben Sie ernstzunehmende Konkurrenz von anderen Banken?

Frank Schwab: Zur jetzigen Zeit sehen wir andere Banken weniger als Konkurrenz: wir gewinnen unsere Kunden von anderen Banken. Aber wir sehen immer mehr FinTech, Retailers und eCommerce Player, die Bankdienste anbieten. Diese Unternehmen sind sowohl unsere Konkurrenten, als auch potentielle Partner und Kunden. Unsere Zielgruppe ist der digitale Kunde, egal ob Privatperson oder mittelgroßer Online-Shop. Noch ist das eine kleine Kundengruppe, aber sie wächst schnell. Aus dieser Perspektive kann man sagen, dass die Bankenwelt mehr und mehr zum Konkurrenzumfeld wird.

Und was unterscheidet Sie jetzt speziell von einer Bank wie Banc Sabadell, die ebenfalls große Aufmerksamkeit in Social Media Kanälen genießt?

Frank Schwab: Kundenintimität und die einfache und nahtlose Integration von Bankprodukten – und Diensten neuer Drittparteien, wie Peer-to-Peer, Crowd und Crypto-Banking-Diensten grenzen uns von Banc Sabadell und jeder anderen Bank in der Welt ab. Unser „Monetising Community-Model“, das „operated by Fidor“ ist, kann von jeder traditionellen Bank und von allen Nicht-Bank-Organisationen genutzt werden.

Wenn wir schon von verschiedenen Mitstreitern sprechen: Sehen Sie sich selbst als Bank oder FinTech Unternehmen?

Frank Schwab: Wenn eine Bank nicht als FinTech agiert, steht sie vor einer unsicheren Zukunft. Ein FinTech wiederum steht ebenfalls vor einer unsicheren Zukunft, wenn es die Regeln und Vorteile, die es mit sich bringt eine Bank zu sein, nicht versteht. Wir sind also ein FinTech mit einer Bankenlizenz.

Was genau ist denn die Rolle von FinTechs im Bankensektor?

Frank Schwab: FinTechs sind disruptiv und treiben Veränderungen voran. Sie ändern das Kundenerlebnis im Banking von Grund auf. Alle anderen Wettbewerber müssen dieser Richtung folgen. Ob sie letztendlich überleben, ist eine andere Frage, die wir wann anders besprechen sollten.

Wenn Sie drei Erkenntnisse listen sollten, die Sie aus Ihrer Erfahrung in den Digital Banking Servicediensten gelernt haben, welche wären diese?

Frank Schwab:

  • Integrieren Sie Ihren Kunden in die Evolution der Bank.
  • Erschaffen Sie ein gutes Kundenerlebnis. Sie brauchen nahtlose und zuverlässige Prozesse.
  • Die Preisgestaltung ist wichtig, aber sie ist nicht alles. Jüngste Studien sagen aus, dass nur 15% der Kunden zu einer anderen Bank wechseln würde, wenn diese ihnen bessere Raten geben würde.

Kommen wire in letztes Mal zur Fidor Bank zurück: was liegt vor Ihnen, welche Herausforderungen sehen Sie auf sich zukommen?

Frank Schwab: Wir haben im zweiten Jahre Rentabilität erzielt, unser Geschäftsmodell hat sich also bereits bewährt. Nun beginnen wir zu skalieren – national und international. Das gilt für die Fidor Bank selbst, als auch für Fidor TecS. Wir sind sehr optimistisch, was dies betrifft, einfach, weil regulatorische Vorgaben wie die bevorstehende Payment Services Directive (PSD II, auf Deutsch, Zahlungsdienstrichtlinie) unserer Entwicklung Rückendeckung geben. In diesem Sinne können wir also auch Lösungsanbieter für Banken sein.