Sollten Banken „Personal Finance Management“ anbieten? Und ob!


Banken und Sparkassen in Deutschland haben das Thema „Onlinebanking“ in den letzten Jahren eher stiefmütterlich behandelt. Jetzt drängen von allen Seiten FinTech-Startups auf den Markt und machen den Etablierten ernstzunehmende Konkurrenz. Das gilt gerade für das Personal Finance Management (PFM), das als kundenfreundliche Weiterentwicklung des Onlinebanking das Zeug zur Schlüsselanwendung hat.

Beim PFM bietet sich für Kunden die Möglichkeit, alle Konten über ein zentrales Portal synchron zu verwalten. Damit erhalten sie nicht nur eine genaue Übersicht über das aktuelle Vermögen und einen Finanzkalender für wiederkehrende Zahlungen in der Zukunft; sie können mit einem Finanzplanungstool arbeiten, in dem sich genau ablesen lässt, wofür sie Monat für Monat wie viel Geld tatsächlich ausgeben.

PFM_MoneyÜber eine automatische Kategorisierung der Ausgaben und Einnahmen sowie darauf aufbauende Reports schafft PFM ein Verständnis über das eigene Kauf- und Finanzverhalten – die ideale Grundlage für die Definition von realistischen Budget- und Sparzielen. Über den anonymisierten Vergleich mit den Ausgaben anderer, vergleichbarer PFM-Nutzer lässt sich zudem feststellen, ob ein Kunde Einsparmöglichkeiten bei Versicherungsbeiträgen hat.

Wann gelingt PFM der Durchbruch?

PFM wird bereits seit einigen Jahren eine große Relevanz zugesprochen, ohne dass es bislang flächendeckend Einzug in die Onlinebanking-Angebote der Banken gefunden hat. In Deutschland gibt es mit der Postbank, Comdirect und den Volksbanken nur einige wenige Vorreiter.

Dabei liegen die Vorteile von PFM für die Finanzinstitute auf der Hand. Schließlich ist es eine gute Methode, den Kontakt zum Kunden wiederzugewinnen und ihn an sich zu binden – ein erfolgskritischer Faktor in Zeiten von Mobile- und Onlinebanking.

Neben der Kundenansprache und dem besseren Management der Kundenbeziehung erhalten Banken durch PFM auch einen Überblick über die gesamte Vermögenssituation des Kunden, wodurch sich wiederum Upselling-Möglichkeiten ergeben, indem sie noch zielgenauer die zum Kunden passenden Angeboten bewerben können.

Fintech-Startups befeuern den Wettbewerb

Wichtig ist das Thema PFM für klassische Banken und Sparkassen aber auch noch aus einem anderen Grund: der weltweiten Konkurrenz durch innovative FinTech-Firmen. In Deutschland zählen numbrs.com und finanzblick.de zu den wichtigsten Anbietern. International haben etwa Strands Finance aus Spanien und Meniga aus Island mit ihren Whitelabel-Lösungen den Markt besetzt, bei denen Banken die Software kaufen und in ihre Systeme integrieren. Mit Erfolg: Denn einige große Banken setzen derzeit PFM-Pilotprojekte um – nicht in Eigenregie, sondern in Zusammenarbeit mit den FinTech-Start-ups.

Banken vor der Gretchenfrage: Handeln oder Nachsehen?

PFM ist für Banken eine gute Möglichkeit, die eigenen Kunden an sich zu binden. Doch muss dafür die Funktionalität innerhalb der Bank verbleiben. Da die Transaktionshistorie und das PFM auf den Servern der Drittanbieter liegen, fällt es den Kunden leichter die Bank zu wechseln. Er müsste dann nicht nochmal von vorne beginnen, sein PFM zu konfigurieren. Kurzum: Unabhängige Anbieter, die für den Kunden Services verschiedenster Finanzdienstleister zusammenführen, bringen klare Vorteile für die Kunden.

Für die Etablierten ist also Eile geboten, da die reine Kontoführung heute keine Differenzierungsmöglichkeit und damit keine Kundenbindungskraft mehr bietet. Gleichzeitig bietet sich für sie jetzt die Chance, sich als Early Adopter und damit als Innovationstreiber zu positionieren und so im heiß umkämpften Wettbewerb dem Kunden ein überzeugendes Verkaufsargument zu liefern.