All Digital – All Mobile – All Compliant?


“IT-Architekturen für Regulatorik und Banking der nächsten Generation“: Die 20. Handelsblatt-Jahrestagung führte vergangene Woche in Frankfurt namhafte Referenten und Branchenvertreter zusammen. Neben Vorträgen zur EZB-Bankenaufsicht und dem Niedrigzins drehten sich die Diskussionen vor allem um die nächste große  Herausforderung für Banken: die Digitalisierung unserer Lebensbereiche. Hat die Branche eine Antwort darauf?

DSC_0148Am Mittwochvormittag wurden an vier Tischen aktuelle Fragen rund um das Motto der Tagung diskutiert. Am Roundtable „Digitalisierung in Banken ist mehr als papierlos – wie kommen wir zu einem digitalen operating model/offering/customer interaction/processing?“ kamen Vertreter von Regionalinstituten mit Repräsentanten von Fintech-Firmen zusammen. Entsprechend kontrovers verlief die Diskussion: Stellt die Beratung die letzte Rettung der klassischen Bank dar? Oder stirbt die Filiale als Modell aus?  

DSC_0144Im GFT Thesenpapier haben wir bereits die schwindende Akzeptanz von traditionellen Bankengeschäften aufgegriffen. Am Roundtable war man nach wie vor teilweise davon überzeugt, dass die klassische Filiale die einzige Möglichkeit für Banken darstellt, sich von den aufstrebenden Fintechs abzugrenzen. Diese hätten die Expertise, was die Entwicklung neuer Produkte angeht, Banken den Vorteil der persönlichen Beratung. Unterstützt wurde diese Ansicht in einem der anschließenden Vorträge, indem Uwe Fröhlich, Präsident der Volks- und Raiffeisenbanken die Relevanz des Bankberaters in den Mittelpunkt rückte.

Der Roundtable brachte jedoch auch radikalere Meinungen zum Vorschein: Digital Natives seien nicht mehr nur theoretische Konstrukte der Zukunft. Als aktive Wirtschaftsakteure, so ein DSC_0138Teilnehmer, verlassen sie sich bereits heute mehr auf die Empfehlungen von Freunden auf Facebook, als auf die Ratschläge ihres Bankberaters. Auch Bernd Rücker, kein klassischer Digital Native, aber Kunde der neueren Generation und Geschäftsführer bei Camunda Services GmbH, war sicher: Wenn Klienten unzufrieden sind, werden sie dies kaum gegenüber ihrem jetzigen Anbieter artikulieren. Man geht stattdessen einfach zur Konkurrenz.

Die Diskussion wurde auch durch eine TED-Umfrage im Rahmen der Konferenz aufgegriffen: Insgesamt gaben 32% der befragten Tagungsteilnehmer an, an die Zukunft der Bankfilialen zu glauben. Nur 8% standen dem entgegen. 60% allerdings waren überzeugt, dass sie nur in stark reduzierter Form überleben könnten.

Ob Banken im Hinblick auf eine notweDSC_0137ndige Umwandlung ein Kreativitätsproblem haben, bei dieser Frage gingen am Roundtable die Meinungen auseinander. Einigkeit herrschte bei  allen Teilnehmer in einem Punkt: Es ist Zeit auf den Zug aufzuspringen, der die Banken zu neuen Lösungen bringt – möglicherweise auch durch die Zusammenarbeit mit Fintechs. Wie das konkret aussehen wird, darauf hatte die Branche jedoch immer noch keine eindeutige Antwort.