FinTech Startups: Bedrohung für die etablierten Banken?


Seit rund fünf Jahren gründen sich weltweit viele Startups mit dem Ziel, Produkte und Leistungen im Bereich Finanzdienstleistungen über den Vertriebskanal Internet anzubieten. Das Interesse an diesen FinTech-Startups steigt. Doch noch müssen sie beweisen, dass sie sich mit ihren Angeboten auf lange Sicht durchsetzen können.

Insbesondere in letzter Zeit sind hohe Unternehmensbewertungen, Finanzierungsrunden und Übernahmen (1) in diesem Bereich zu beobachten. Das globale Investment in FinTech-Unternehmen ist in den letzten drei Jahren viermal so schnell gewachsen, wie das des gesamten Venture-Capital-Bereichs. Seit 2008 haben sich die weltweiten Investitionen in FinTech-Unternehmen auf fast drei Mrd. USD verdreifacht. Dieser Trend wird sich fortsetzen und in 2018 werden die weltweiten Investitionen in diesem Bereich auf 8 Mrd. USD steigen, so eine aktuelle Studie (2).

New York und London haben sich dabei zu den wichtigsten Standorten entwickelt, doch auch bei uns gibt es immer mehr dieser neuen Anbieter. Eine Studie (3) zeigt, dass es derzeit über 100 FinTech-Startups allein im DACH-Raum gibt. Es scheint, dass hier ein interessanter Trend Fahrt aufnimmt.

Startup Bootcamp Cairo

Foto: Mai 2014 – Bootcamp für FinTech-Startups in Kairo. Von Startup Mena als CC auf Flickr

Angebotsschwerpunkte der FinTech-Startups

Bei der Angebotspalette lassen sich zwei Schwerpunkte beobachten:

Zum einen die sogenannten Aggregatoren, also Unternehmen, die dem Bankkunden Informationen oder Bankverbindungen zusammenführen, um damit seinen Überblick über die persönlichen Finanzverhältnisse zu verbessern.

Zum anderen die Optimierer, die sich einzelne Elemente der Wertschöpfungskette von Finanzdienstleistungen herausgreifen, um entweder völlig neue Leistungen anzubieten oder vorhandene Leistungen mit einer besseren Kundenerfahrung, transparenteren Preismodellen und/oder einer einfacheren Leistungsdarstellung zu versehen.

Vorteile für FinTech-Startups

Ein deutlicher Vorteil für die Startups besteht in dem Umstand, dass sie über keine Altlasten an teilweise über Jahrzehnte gewachsener IT-Infrastruktur verfügen. Sie müssen sich nicht mit alten und teuren Core-Banking-Systemen herumschlagen und können daher viel schneller entwickeln, testen und optimieren. Daraus resultieren deutliche Vorteile bei den Prozessen: Sie sind signifikant einfacher, bequemer und stärker am Kunden orientiert als dies die traditionellen Banksysteme zu leisten vermögen.

Als Nischenanbieter können sie ihre Leistung zudem gezielter optimieren als eher breit aufgestellte Banken und dank moderner vollautomatisierter Prozesse sind sie schneller als jeder Bankberater.

Nachteile für FinTech-Startups

Bankgeschäfte, die obendrein staatlicher Aufsicht und somit der Regulierung unterliegen, sind nicht einfach zu managen und noch schwerer ist es, sie zu verändern. Den meisten FinTech-Startups fehlt die Erfahrung bei Finanzdienstleistungen und nicht wenige stellen im Laufe ihrer Markterprobung fest, dass sie zwar ein tolles Angebot haben, dieses jedoch unter die Regulierung fällt und sie damit zur Vermarktung eine Banklizenz benötigen.

Einige kleinere Banken haben daraus ein eigenes Geschäftsmodell entwickelt, indem sie ihre Lizenz FinTech-Startups zur Verfügung stellen. Ob sich daraus eine Win-Win-Situation entwickelt, bleibt abzuwarten.

Ein besonders wichtiger Faktor im Finanzbereich ist Vertrauen, vor allem im Geschäft mit Endkunden. Es dauert lange, dieses Vertrauen aufzubauen. Noch müssen FinTech-Startups den Beweis erbringen, dass es ihnen gelingt, signifikante Kundenzahlen aufzubauen und daraus ausreichende Erträge zu erwirtschaften, um nachhaltige und attraktive Renditen für Investoren zu erzielen. Insbesondere solche im Bereich B2C benötigen daher einen langen Atem und das dafür notwendige Kapital. Im Bereich B2B sind Erfolge schneller möglich. Hier positionieren sich FinTech-Startups in einem Bereich, in dem die Digital Natives ohnehin zuhause sind – und werden daher oft nicht als Bank wahrgenommen.

Links

  1. Der Bank-Blog: Was ist wertvoller: Finanzdienstleistung oder Social Media?
  2. Der Bank-Blog: Das Wachstum der FinTech Industrie
  3. Fintechforum: First study covering 100 FinTech Startups in Germany, Austria and Switzerland

Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Experte für Banking, Innovation, Social Media, Change Management, Kundenservice und Vertrieb. Er arbeitet als Unternehmensberater und Interims-Manager für Kreditinstitute. Im Bank Blog berichtet er über aktuelle und grundsätzliche Entwicklungen der Finanzbranche und ist außerdem gefragter Redner und Moderator im In- und Ausland.