Apple Pay in Deutschland: Springen Sparkassen und Volksbanken jetzt auf den Zug auf?


Es ist kaum zwei Monate her, dass Apple seinen iPhone-Bezahldienst Pay vorgestellt hat und schon kommt auch hierzulande Bewegung in den Mobile-Payment-Markt. Sowohl Sparkassen als auch Genossenschaftsbanken zeigen Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen. Aus Kundensicht eine gute Nachricht. Fraglich bleibt nur, ob sich die deutschen Banken auch auf einheitliche Standards einigen werden.

Apple Pay

Es überrascht kaum, dass Apples Einstieg in das Geschäft mit mobilen Bezahldiensten auch deutsche Finanzinstitute unter Zugzwang setzt. Schließlich könnte es der entscheidende Impuls sein, der dem Markt für mobiles Bezahlen nun endlich Dynamik verleiht. Im Blogbeitrag Mobile Payment mit iPhone 6: Deutsche Banken stehen jetzt unter Druck hatte ich das Zeitfenster skizziert, das sich nach dem Eintritt von Apple in den Mobile-Payment-Markt für deutsche Banken öffnet. Sparkassen und Volksbanken scheinen es nun nutzen zu wollen. Beide Verbände bestätigten in Medienberichten, dass sie Interesse an einer Zusammenarbeit haben.

Win-Win-Situation zum Greifen nah
Damit treffen sie die richtige Entscheidung, wollen sie noch eine Chance haben, die künftige Entwicklung hierzulande mitzugestalten und nicht anderen das Spielfeld überlassen. Es ist zu erwarten, dass Gespräche zwischen Apple und den Sparkassen sowie den Volks- und Raiffeisenbanken erfolgreich verlaufen werden. Schließlich könnte eine Zusammenarbeit, richtig angepackt, zur klassischen Win-Win-Situation werden – und die ist nun, bei aller öffentlichen Zurückhaltung der Akteure, zum Greifen nah. Deutsche Finanzinstitute blieben wichtige Akteure im Zukunftsmarkt Mobile Payment. Apple erhielte Zugang zu Millionen Sparkassen- und Volksbankkunden. Auch das sensible Thema Datenschutz dürften die US-Amerikaner im Blick haben: Schließlich genießen beim deutschen Verbraucher hiesige Banken immer noch mehr Vertrauen als globale US-Konzerne.

Girokartensystem als Basis für Mobile Payment in Deutschland
Auch wenn Apple bislang nur die Abrechnung über Kreditkarten nutzt, in Deutschland wird kein Weg an der Girokarte vorbeiführen. Es spricht vieles dafür, dass das Girokartensystem die Basis für deutsches Mobile Payment wird. Die Girokarte ist schließlich, neben dem Bargeld, nach wie vor des Deutschen liebstes Zahlungsmittel. 101 Millionen ausgegebene Girokarten sprechen für sich. 36 Prozent aller Zahlungen im deutschen Einzelhandel erfolgen per Girokarte. Zum Vergleich dazu: auf Kreditkarten entfallen nur 5,4 Prozent.

Einheitlicher Standard vs. parallele Lösungen: Wohin steuert Mobile Payment?
Soweit, so gut. Jedoch wird Apple Pay kein Selbstläufer. Wie in den USA könnte es hierzulande zunächst zu Widerstand von Seiten der Händler kommen. Steigt die Akzeptanz beim Kunden, der dann beispielsweise den Komfort eines Bezahlvorgangs mit dem Smartphone nicht mehr missen möchte, wären mittelfristig auch deutsche Händler gezwungen, ihre Terminals umzurüsten. Nur etwa 40.000 NFC-fähige Point of Sales (PoS) gibt es derzeit in Deutschland. Mit Apple Pay könnten Investitionen in diese Infrastruktur sich nun lohnen. Nicht nur für Banken hat sich also ein Zeitfenster geöffnet.

Fraglich bleibt, ob sich die deutsche Kreditwirtschaft auf einen gemeinsamen Standard einigen wird. Bislang verliefen alle Versuche, einheitliche Lösungen zu etablieren, im Sande. Ob nun mit Apple Pay die derzeitigen Insellösungen überwunden werden können, bleibt zu hoffen – im Sinne der Verbraucher und der Bankenbranche. Sollte es nicht gelingen, erwartet uns in Deutschland in den kommenden Jahren ein wachsender Mobile Payment Markt mit verschiedenen Zahlungssystemen. Parallele Lösungen statt eines einheitlichen Standards also. Es wäre nicht das erste Mal.

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