Kernbankensysteme: GFT als Partner der IT-Modernisierung


Ende Juni 2014 hat Avaloq, renommierter Anbieter eines Kernbankensystems, bekannt gegeben, dass die BHF-Bank in Zukunft bei ihrer IT-Infrastruktur auf die Avaloq Banking Suite setzt. Partner bei der Umsetzung dieser komplexen IT-Modernisierung sind Onshore-Experten aus der Schweiz und Deutschland sowie aus dem spanischen Avaloq-Nearshore-Center der GFT. Wir haben mit Flavio Curti, Geschäftsführer GFT Schweiz, gesprochen, wie sich die Finanzinstitute im IT-Bereich aufstellen müssen, um im Wettbewerb zu bestehen.

Flavio Curti GFT

GFT-Blog: Nach einigem Abwarten hat die Mehrzahl der deutschen Banken und Sparkassen auf ein neues Kernbankensystem umgestellt oder befindet sich gerade im Migrationsprozess. Welchen Schritt müssen die Institute mit ihrer IT in Ihren Augen als nächstes tun, wenn sie den Systemwechsel abgeschlossen haben?

Flavio Curti: Ein Systemwechsel ist nicht nur eine IT-Umstellung, sondern immer eine komplette Transformation der Bank in vielen Bereichen und betrifft Prozesse, Produkte, Arbeitsabläufe und vieles mehr. Häufig werden bei Umstellungen nicht direkt alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Entweder, weil man sich erst einmal auf Kernbereiche konzentriert hat, oder weil Optimierungsmöglichkeiten durch die neue Software einfach noch nicht bekannt waren. Wenn ein neues System also eingeführt wurde, geht es im nächsten Schritt an die Detailarbeit: Schritt für Schritt muss man das neue System analysieren und für die eigenen Zwecke optimieren. Zudem ist die weitere Standardisierung der Systemlandschaft, also inklusive der umgebenden Systeme, eine sehr wichtige Aufgabe.

Natürlich muss man bei einer Systemumstellung auch priorisieren. Soll heißen: Während der Umstellung bleiben viele Dinge unerledigt. Dieser Stau muss natürlich im Anschluss direkt und gezielt aufgelöst werden, damit die Bank auch in Zukunft schnell auf neue Themen reagieren kann.

Die IT in Banken ist oft der zweitgrößte Kostenblock nach den Personalkosten. Wie sieht die ideale Verteilung des IT-Budgets auf die verschiedenen Segmente aus, die sicherstellt, dass Banken mit ihrer Technologie zukunftsfähig sind?

Bei der Betrachtung der IT-Kosten ist Transparenz das oberste Gebot. Insbesondere die Verteilung zwischen Change-The-Bank (CTB) und Run-The-Bank (RTB) ist grundlegend für die Beantwortung dieser Frage. Typischerweise fällt der Großteil der Kosten im RTB an – also beim Erhalt des Status Quo. Die CTB-Kosten für Compliance und gesetzliche Anforderungen muss man auch rausrechnen, wenn es um die Zukunftsfähigkeit einer Bank geht. Studien zeigen, dass nur ungefähr 10 bis 17 Prozent der IT-Investitionen auf innovative Maßnahmen entfallen.

Reden wir über die Bank der Zukunft oder die digitale Bank, ist das zu wenig. Hier können Banken aber aktiv steuern: Gelingt es, beim RTB zu sparen, könnte zumindest ein Teil zur Finanzierung von Initiativen eingesetzt werden, die die Bank auch strategisch voranbringen.

Was können deutsche Finanzdienstleister von Banken im Ausland und deren IT-Strategie lernen?

Die Strategien der Banken und Finanzdienstleister im Ausland unterscheiden sich stark voneinander. Im Vergleich zum europäischen Ausland haben die deutschen Banken aber eine sehr gute Ausgangsposition. Viele ausländische Mitbewerber kämpfen noch mit komplexen gewachsenen Strukturen im Backend-Bereich, die viele deutsche Banken bereits erfolgreich modernisiert haben.

Allgemein betrachtet haben Banken in fast allen Ländern in den vergangenen Jahren die Verantwortung für die IT-Strategie in Richtung Business verlagert. Die IT wird hier also verstanden als Dienstleister für wertschöpfende Prozesse, entsprechend wird sie an den Bedürfnissen des Endkunden und den Produkten der Bank ausgerichtet. Dies geht einher mit einer Reduktion des Backoffice-Bereichs, schnelleres Straight-Through-Processing (STP) löst zunehmend kostenintensive manuelle Prozesse ab.

Viele ausländische Banken setzen hierbei stark auf Standardlösungen und richten ihre Prozesse an diesen Lösungen aus. Die Banken differenzieren sich hier nicht mehr über die IT, sondern gezielt über den Mehrwert für den Endkunden. In diesen Märkten sind die Standardlösungen von Avaloq, Temenos oder iflex stark vertreten.