SEPA: Aufschub, aber keine Auszeit


Nun also doch – der SEPA-Start wird um sechs Monate verschoben. Eine entsprechende Verlängerung für die Umstellung auf das neue europäische Zahlungssystem hatte die EU-Kommission kürzlich beschlossen. Eine Verschnaufpause also für all diejenigen, die noch nicht bereit waren? Keineswegs, meint GFT Finanzexperte Bernd-Josef Kohl in unserem Gespräch. Nun gilt es für Unternehmen und Vereine mehr denn je, ihre internen Prozesse schnellstmöglich SEPA-fit zu machen. Die Zeit drängt, denn einen weiteren Aufschub soll es nicht geben.

Bernd-Josef Kohl - Head of International Business Consultants
Bernd-Josef Kohl – Head of International Business Consultants

Mihaela Budja: Kam die Entscheidung aus Brüssel überraschend oder war sie zu erwarten?

Bernd-Josef Kohl: Überraschend war sicherlich der Zeitpunkt, nicht aber die eigentliche Verschiebung. Aktuelle Umfragen zeigten schließlich, dass der Umsetzungsstand noch mangelhaft war – übrigens europaweit. Es war nicht zu erwarten, dass die Umstellung zum jetzigen Zeitpunkt klappen würde. Die Entscheidung, die nationalen Zahlungsverfahren noch nicht abzuschalten, war also richtig.

MB: Woran lag es, dass trotz langer Vorlaufzeit so viele Unternehmen noch nicht bereit waren?

BJK: Das hat zwei Gründe. Zum einen fehlte die Motivation, wie bei vielen gesetzlichen Vorgaben. Eine Richtlinie umzusetzen, die zunächst keinen Mehrwert bringt, wird nicht mit dem gleichen Engagement vorangetrieben wie ein Business Case. Zum anderen haben viele Unternehmen die Komplexität des Themas für ihre IT-Systeme einfach unterschätzt. Sehr oft war eine Vielzahl von Abteilungen von SEPA betroffen. Das Zusammenspiel von Prozessen ist ein hoch komplexer Vorgang, der Zeit für Planung, Umsetzung und Testlauf braucht.

App runterladen, Fragen beantworten und Antwort erhalten, ob Ihr Unternehmen SEPA-fit ist.
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MB: Und diese Zeit haben Banken und Unternehmen nicht ausreichend eingeplant?

BJK: Die Finanzinstitute sind in der Regel gut vorbereitet. Probleme haben vor allem kleine und mittlere Unternehmen und die Vereine. Hier gibt es zum Teil noch erheblichen Handlungsbedarf.

MB: Was können sie nun in der Kürze der Zeit tun?

BJK: Die Zeit nutzen und, falls noch nicht geschehen, so schnell wie möglich einen konkreten SEPA-Fahrplan ausarbeiten. Unsere Erfahrung ist, dass dazu oft ein Blick von außen nötig ist. Bei GFT haben wir deshalb eine App entwickelt, mit der Nutzer schnell und einfach erfahren, wo sie stehen – das ist die Basis für weitere Schritte. Nach dieser Analyse erstellen unsere Berater gemeinsam mit dem Kunden einen konkreten Zeitplan. Die SEPA-Anforderungen können anschließend professionell und fristgerecht umgesetzt werden.