Franz Sebastian Welter (Volksbank Bühl): „Damit Social Media gelingt, braucht es vor allem Führungskräfte, die diesen Prozess nicht nur zulassen, sondern vielmehr aktiv fördern.“


Der Social Media Enthusiast Franz Sebastian Welter ist Bereichsdirektor in der Unternehmensentwicklung bei der Volksbank Bühl. Er hat der deutschen Bankenwelt gezeigt, welches Potential das Thema Social Media beinhalten kann. Die Volksbank Bühl hat nicht nur im Social Web Erfolge gefeiert, sondern auch einen neuen Geschäftsbereich mit der InnovationsWerkstatt aufgebaut. Vor wenigen Tagen wurde in dritter Instanz das Crowdfunding-Projekt „viele-schaffen-mehr.de“ vorgestellt. Ein exzellentes Bespiel, wie lokale Banken sich Social Media zu Nutzen machen können. Franz Sebastian Welter zeigt uns, dass es dabei um mehr geht, als Facebook und Co., sondern vielmehr um eine interne Einstellung zur Innovationskultur.

Franz Sebastian Welter - Bereichsleiter Business Development bei der Volksbank Bühl
Franz Sebastian Welter – Bereichsleiter Business Development bei der Volksbank Bühl

Seit mittlerweile 4 Jahren demonstrieren er und sein Team, wie Online-Kommunikation im Bankengeschäft aussehen kann. Wir freuen uns sehr, dass er sich die Zeit genommen hat uns ein kurzes Interview über die Erfolgsgeschichte der Volksbank Bühl zu geben, vielen Dank dafür!

Janina Benz: Hallo Franz, wie kam es dazu dass die Volksbank Bühl sich vor vier Jahren entschieden hat in die soziale Netzwelt einzutauchen?

Franz Sebastian Welter: In den Jahren 2008 und 2009 haben wir unsere Multikanalstrategie überarbeitet und in diesem Zusammenhang analysiert was im Web passiert. Uns wurde schnell klar, dass das Web 2.0 bzw. Social Media kein kurzfristiger Trend ist, sondern einen Paradigmenwechsel darstellt. Wir wollten besser verstehen was da passiert und uns intensiver mit dem Thema beschäftigen. Ende 2008 haben wir dann unsere ersten Schritte im Web 2.0 gemacht.

JB: Die Bankbranche ist ja eher konservativ geprägt. Ich stelle es mir schwierig vor, die finanzielle, beziehungsweise organisatorische Hürde zu nehmen. Wie habt ihr es geschafft, ein solch überzeugendes Social Media Projektteam auf die Beine zu stellen?

FSW: Step by Step. Wir haben sehr klein begonnen und nicht alles auf einmal gestartet. Auf die einzelnen Accounts bei Twitter, Facebook & Co. folgte schnell die Erkenntnis, dass wir die Social Media DNA in unsere Unternehmenskultur überführen müssen, um in Zukunft erfolgreich zu sein. In diesem Zusammenhang haben wir versucht, mehr Kolleginnen und Kollegen in der Bank für das Thema zu begeistern und für Risiken zu sensibilisieren. Es folgten Workshops, Schulungen, Social Media Guidelines, die Gründung einer eigenen InnovationsWerkstatt, die Einführung einer Social Business Plattform, um auch in der internen Unternehmenskommunikation mehr Transparenz und Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen, die Etablierung von E-Commerce Beratern, um unseren Kunden das Thema E-Commerce und Social Media näher zu bringen und erst vor kurzem der Start unserer Crowdfunding-Plattform „viele-schaffen-mehr.de“. Diese Schritte hätten wir in der Form vor unserem Start in die sozialen Medien gar nicht planen können. Es ist vielmehr ein Entwicklungsprozess für die gesamte Organisationund für jeden Einzelnen, der an den Aktivitäten beteiligt war, bzw. ist. Damit dieser Prozess gelingt, braucht es vor allem Führungskräfte, die die Umsetzung nicht nur zulassen, sondern vielmehr aktiv fördern.

JB: Von der einzelnen Bankfiliale bis zur Großbank, unter welchen Aspekten lohnt es sich deiner Meinung nach Social Media zu nutzen? Welche generellen Tipps gibst du mit auf dem Weg?

FSW: Social Media bringt unglaublich viele Einsatzmöglichkeiten mit sich: Crowdsourcing, Open Innovation, Enterprise 2.0 bzw. Social Business, Social Media Marketing usw. Leider wird das Thema meiner Meinung nach noch zu sehr auf Marketing ‚reduziert‘. Ich denke insbesondere in der internen Nutzung z.B. für die interne Unternehmenskommunikation, das Wissensmanagement oder Projektmanagement schlummert großes Potenzial. Aber auch im Bereich der Vernetzung mit Unternehmenspartnern oder in der Frage, wie Kunden in Wertschöpfungsprozesse integriert werden können, sehe ich herausragende Chancen für Banken. Wenn ich also einen Tipp geben würde: den Mut haben, nicht alles bis ins Detail planen oder kontrollieren zu wollen.

JB: Du hast sogar das Crowdfunding für deine Kunden entdeckt. Welche Vorteile haben dich überzeugt, dass ein regionaler Finanzdienstleister seinen Kunden Crowdfunding anbietet?

FSW: Na ja also ich habe das nicht entdeckt. Wenn man es genau nimmt, waren das sogar Raiffeisen und Schultze-Delitzsch, die das Crowdfunding vor 160 Jahren erfunden haben – nur eben ohne Social Media. Die Idee, eine Crowdfunding-Plattform für die Volksbank Bühl zu nutzen, kommt auch nicht alleine von mir, sondern ist in einem Workshop der InnovationsWerkstatt mit unseren Partnern T-Systems und VR-Networld vor über zwei Jahren entstanden. Mit startnext.de wurde ein sehr kompetenter Partner für die Realisierung des Projektes gewonnen. Ohne diese Partner hätten wir die Plattform auch nicht umsetzen können. Crowdfunding passt hervorragend zum genossenschaftlichen Prinzip „Was der Einzelne nicht vermag, vermögen Viele“.

JB: Was waren die Herausforderungen an der Umsetzung dieses Projekts?

FSW: Da gab es einige. Technisch war es eine Herausforderung die Payment-Prozesse abzubilden und wir mussten viele rechtliche Aspekte berücksichtigen. Vor allem aber kulturell war und ist es weiterhin eine Herausforderung, das Thema Crowdfunding zu erklären und verständlich zu machen, wie es mit den genossenschaftlichen Wurzeln zusammenhängt und wie der Einzelne bzw. die Gemeinschaft davon profitieren kann. Die bisherige Resonanz auf „viele-schaffen-mehr.de“ stimmt uns aber sehr zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

JB: Häufig wird der ROI von Social Media in Frage gestellt. Konntet ihr durch eure Bekanntheit im Netz auch offline Resultate sehen, zum Beispiel eine Verjüngung der Kundenstruktur?

FSW: Das Thema ROI und Social Media – ein leidgeplagtes Thema. Natürlich kann man einiges messen, es gibt zahlreiche Kennzahlen und Quoten. Der größte Nutzen ist für mich aber der Lerneffekt, den eine Organisation durch den internen und externen Einsatz sozialer Medien haben kann. Die Auswirkungen auf Unternehmenskultur und Innovationsfähigkeit sind enorm. Diese Auswirkungen können aber so gut wie nicht gemessen werden. Man spürt sie dennoch, wenn man Teil der Organisation ist. Die Volksbank Bühl ist seit Jahren eine sehr erfolgreiche Bank. Es ist schwierig zu ermitteln wie groß der Anteil unserer Social Media Aktivitäten an diesem Erfolg ist. Es wird wohl eher ein Gesamtbild aus vielen Mosaik-Steinchen sein. Ein Steinchen sind unsere Social Media Aktivitäten, ein weiteres Steinchen unsere InnovationsWerkstatt. Es kommen aber noch viele weitere Steinchen hinzu – z.B. eine progressive Personalentwicklungsstrategie mit so vielen Stipendiaten wie sie wohl keine andere Bank in der Größe vorweisen kann, eine eigens gegründete Trainings- und Coachingsakademie mit Top-Trainern, umfassende Zertifizierung für Beraterinnen und Berater, eine extrem flache Unternehmenshierarchie mit kurzen Wegen, viele top Führungskräfte und vor allem eine sehr gute Unternehmenskultur.

JB: Wie sieht die Social Media Zukunft der Volksbank Bühl aus? Worauf dürfen wir uns noch freuen neben Crowdfunding, Facebook und Co.?

FSW: Das Schöne daran ist, dass ich es dir nicht sagen kann. Ich glaube wir werden durch den Einsatz unserer Crowdfunding-Plattform und durch den Einsatz unserer Social Business Plattform Volksbank Bühl Connect sehr viel lernen und dann mit weiteren Projekten darauf aufbauen. Aktuell bieten wir über die InnovationsWerkstatt verschiedene Workshops und Vorträge für andere Banken und Firmen an und sind von der Nachfrage angenehm überrascht. Es gibt aber auch noch viel Spielraum für weitere Innovationen zum Beispiel im Bereich Mobile Banking, Open Innovation oder Crowdinvesting. Zumindest gedanklich beschäftigen wir uns schon mit dem einen oder anderen Thema.

JB: Als letztes möchte ich dich noch bitten, in 140-Twitter-Zeichen, die Faszination von Social Media zu beschreiben.

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