Native oder HTML5-Apps? Die Krux der Programmiersprachen


Die Gemeinde der App-Entwickler beschäftigt sich schon länger mit der Frage, ob sich zukünftig Native oder Web-Apps bei mobilen Applikationen durchsetzen werden.

Die Diskussion ist spannend und obendrein sehr wichtig, denn eine Entscheidung für einen der beiden Ansätze hat weitreichende Auswirkungen: Bei der Entwicklung beeinflusst sie die Kostenstruktur, die eingesetzten Technologien und die benötigten Skills. Darüber hinaus wirkt sich die Wahl der Programmiersprache auf Qualität, Usability und Leistung der Apps aus. Viele Kunden, mit denen ich gesprochen habe, sind daher unsicher, was der für sie richtige Weg ist.

Karl Rieder - Senior Manager bei GFT Service Delivery
Karl Rieder – Senior Manager bei GFT Service Delivery

Die richtige Technologie für Mobile Apps? Keine leichte Entscheidung!

Native Apps gelten als besonders nutzerfreundlich und leistungsstark. Allerdings müssen sie für jedes der vier großen Smartphone-Betriebssysteme (iOS, Android, Windows Mobile und Blackberry) individuell entwickelt werden.
Die Programmiersprache auf HTML5-Basis ist deutlich wirtschaftlicher, da eine mehrfache Entwicklung derselben App nicht notwendig ist. Als gängigste Programmiersprache verfügt HTML5 außerdem über ein reichhaltiges Angebot an Benutzerschnittstellen. Andererseits ist es mit HTML5 jedoch schwieriger, Smartphone-Funktionen wie Telefon, Kamera, GPS oder Kalender in die Applikation einzubinden.

Seit meinem letzten Beitrag zu diesem Thema Anfang Juli, kamen einige neue Tools auf dem Markt. Sie beinhalten die unterschiedlichsten Ansätze, um Apps auf HTML5-Basis zu entwickeln.

Auf der einen Seite gibt es Programmbibliotheken wie JQuery Mobile, die das Erstellen von webbasierten Anwendungen im „Look and Feel“ von Native Apps erleichtern und sogar in einem Browser starten. Auf der anderen Seite haben wir Mobile Enterprise Application Platforms wie die Unwired Platform von SAP. Diese ermöglicht es Entwicklern, Native Apps zu entwickeln – jedoch mit einer einzigen Code-Basis für alle Betriebssysteme. Dazwischen tummelt sich natürlich auch noch einiges an Konkurrenz. Hervorzuheben sind Sencha Touch und Adobe PhoneGap, die zwei vielleicht beliebtesten Anwendungen auf dem Markt. Um die Angelegenheit noch komplizierter zu machen, können viele der Technologien auch kombiniert werden. Kein Wunder, dass Unternehmen sich mit ihrer Entscheidung schwer tun.

Einen Königsweg gibt es nicht

Vermutlich wird uns die Debatte über die Vor- und Nachteile von Native und Web-Apps noch einige Zeit beschäftigen. HTML5 ist kein Allheilmittel, und native Applikationen haben noch immer eine hervorragende Endqualität. Persönlich vermute ich, dass sich in naher Zukunft keine der Methode klar durchsetzen wird, sondern immer mehr Mischformen möglich sein werden.

Am Ende entscheiden die Unternehmensziele

Während einige Anwendungen eine einfache, intuitiv zu bedienende Oberfläche sowie eine weite Verbreitung zum Hauptziel haben. Steht bei anderen Apps eine höchst dynamische Oberfläche und enge Verflechtung mit den umfangreichen Funktionalitäten des Mobiltelefons im Vordergrund.

Ziehen wir den Bankensektor als Beispiel heran. Werden sich dort Unternehmen für den kosteneffizienten HTML5-Ansatz entscheiden, möchten sie den maximalen Output aus ihrem Budget herausholen können. Bei anderen spielt Geld eine untergeordnete Rolle, dafür steht aber die Usability für die Kunden im Fokus. Hier wird die Entscheidung zugunsten einer nativen Applikation ausfallen.

Letztendlich geht es darum, sich für jene Technologielösung zu entscheiden, die am besten zu den eigenen Unternehmenszielen passt. Ob dies dann eine Native, eine Web-App oder eine Mischform aus beiden ist, das bleibt abzuwarten.

Dieser Artikel wurde zuerst auf www.finextra.com veröffentlicht.