Entwickelt Google mit Dart die Web-Programmiersprache von morgen?


Javascript war gestern? Google möchte sich langfristig auf die Entwicklung von nur noch einer Web-Programmiersprache konzentrieren. Ihr Name: Dart.

Wir haben mit unserem CTIO Erwin Selg gesprochen und ihn um seine persönliche Einschätzung dieser Entwicklungen gebeten.

Janina Benz: Hallo Erwin, kannst du uns sagen, warum die Entscheidung von Google, sich bei der Webentwicklung künftig allein auf Dart fokussieren zu wollen, in der IT-Branche so heiß diskutiert wird?

Erwin Selg - CTIO GFT Group
Erwin Selg – CTIO GFT Group

Erwin Selg: Ursprünglich wurde Javascript für kleinere Aufgaben entwickelt. Für größere Systemen ist es hingegen nicht geeignet. Die Programmiersprache besitzt z. B. keine Typisierung, was den Tool-Support und auch die Performance bei der Ausführung negativ beeinträchtigt. Das langfristige Ziel von Dart ist es, Javascript zu ersetzen.

Momentan ist Dart noch nicht in einer finalen Version verfügbar, sondern nur in einem sogenannten Technical Preview, die es nur der Entwicklergemeinde ermöglicht Feedback zu geben. Jedoch wird Dart – ähnlich wie etwa Java und C++ – eine solche Typisierung haben, wodurch sich die Performance deutlich verbessert.

Die Typisierung in Dart ist allerdings nicht verpflichtend. Das bedeutet, dass der Code trotzdem kompiliert und ausgeführt werden kann und der Entwickler lediglich einen Hinweis erhält. Bei einer strengen Typisierung, wie beispielsweise bei Java oder C++, würde der Code dabei nicht erfolgreich ausgeführt werden. Dart versucht also, hier die Vorteile der hohen Flexibilität von Javascript mit den Typisierung-Möglichkeiten von Java zu verbinden.

JB: Welche weiteren Merkmale kennzeichnen Dart?

ES: Für Dart ist etwa eine One-Page-Architektur angedacht. Der Client, also der Browser auf dem Rechner oder dem mobilen Endgerät, muss nur eine Seite laden. Die übrigen Daten werden nachgeladen, wodurch unter anderem der Server entlastet wird, da viele Berechnungen clientseitig ausgeführt werden.

JB: Wird Dart Javascript in Zukunft vollständig ersetzen?

ES: Ob Dart wirklich Javascript eines Tages ersetzen wird, muss sich zeigen. Immerhin hat mit Microsoft einer der anderen großen Player gerade Javascript für sich als zentrale Programmierplattform entdeckt – und zwar für die mit Windows 8 kommende Metro-Oberfläche. In der Zwischenzeit kann Dart aber auch als Precompiler arbeiten, indem Dart-Anwendungen in Javascript übersetzt werden. Somit würde es einfach als ausführende Sprache genutzt werden. Im Moment ist der erzeugte Javascript-Code allerdings noch nicht optimiert.

Ein anderes langfristiges Ziel von Dart dürfte es sein, eine Alternative zu Java auf der Android-Plattform zu schaffen. Nach dem Streit mit Oracle dürfte Google wohl ein Interesse an einer solchen Alternative haben.

JB: Was bedeutet das verstärkte Dart-Engagement für das Google Web Toolkit (GWT) und deren Nutzer?

ES: Es scheint klar zu sein, dass sich Google von GWT zurückzieht. Hinter Dart steht ein sehr fähiges Team, während GWT bei Google selbst immer weniger eingesetzt wird. Auch ehemalige Leuchtturmprojekte von GWT wie Google Mail, Google+ oder Teile der Suchmaschine sind wohl bereits auf die Javascript Bibliothek von Google Closure portiert worden.
Für GWT Entwickler bedeutet dies, dass der massive Support von Google künftig entfällt. Diejenigen Entwickler, die GWT weiterhin betreiben wollen, finden vielleicht im Umfeld des Web-Frameworks Vaadin eine neue Heimat. Vaadin hat GWT bisher als Frontend-Technologie genutzt und bettet GWT nun vollständig ein. Vaadin wird künftig auch großen Einfluss nehmen auf die Open-Source-Aktivitäten rund um GWT. Schließlich ist die finnische Firma mit ihrem Vice President Artur Signell direkt im Steuerungskomitee des Projekts vertreten.

JB: Welche Möglichkeiten werden deiner Meinung nach durch Dart für Unternehmen geschaffen?

ES: Sollte es gelingen, Javascript durch eine mächtigere Programmiersprache mit Typisierung und einem durchgängigen Programmierparadigma abzulösen, wären nochmals ganz andere Internetanwendungen denkbar, als wir sie heute haben. Oder anders gesagt: Durchschnittliche Webapplikationen würden einen Reifegrad haben, über den heute nur Anwendungen mit einem großen Budget verfügen. Entwicklungszeiten für große Applikationen würden sich deutlich verkürzen und die Qualität würde steigen. Alle dies sind bedeutsame Vorteile für Unternehmen. Der Service für den Endkunden könnte deutlich verbessert werden, und auch im mobilen Bereich ergeben sich vielfältige neue Möglichkeiten.

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