Bernd-Josef Kohl

GFT Expertenbefragung Digital Banking: Deutsche Banken sehen sich hinter ihren Wettbewerbern

GFT COO Marika Lulay hat die Ergebnisse unsere Expertenbefragung bereits vorgestellt: Lediglich 9 Prozent der teilnehmenden Banken aus sieben Ländern haben ihre Digital-Banking-Strategie bereits vollständig implementiert, ein effizientes und intelligentes Kundendatenmanagement ist klar erfolgskritisch – und gleichzeitig optimierungsbedürftig. Sicherheitsaspekte, die Kundenzufriedenheit und Kundenbindung gelten als wesentliche Erfolgsfaktoren. Doch wie genau ist der Status-Quo bei deutschen Banken?

Deutsche Banken sind in Bezug auf Ihre Digital Banking Lösungen im Wettbewerbsvergleich auffällig konservativer als Banken anderer Länder.

Deutsche Banken sind in Bezug auf Ihre Digital Banking Lösungen im Wettbewerbsvergleich auffällig konservativer als Banken anderer Länder.

An erster Stelle ist hier wohl die Tatsache zu nennen, dass keine der befragten deutschen Banken angegeben hat, die Implementierung ihrer Digital-Banking-Strategie bereits abgeschlossen zu haben. 58 Prozent befinden sich immerhin in der Entwicklungsphase einer solchen Strategie und im internationalen Vergleich dadurch im Mittelfeld: Spanien und die Schweiz beispielsweise liegen hier etwas weiter hinten, während England – und vor allem Italien – bereits deutlich voraus sind.

Spannende Ergebnisse liefert auch der Punkt Kundendatenmanagement. Insgesamt stufen alle Banken intelligentes Datenmanagement als zentrale Aufgabenstellung ein. Vor allem in Deutschland aber zeigt sich hinsichtlich dieses Themas eine enorme Divergenz zwischen Relevanz und Kompetenz: Die Verwaltung strukturierter Daten, der Zugriff auf interne Kundendaten und die Datenanalyse zur gezielten Ansprache von Kundengruppen sind Aspekte, die durchaus als wichtig eingestuft werden. Gleichzeitig mangelt es hier laut eigener Einschätzung jedoch deutlich an der eigenen Fähigkeit, diese Aufgaben adäquat zu bewältigen.

Zum Vergleich: Mit fast 60 Prozent messen die befragten Banken in UK der Datenanalyse zur gezielten Kundenansprache eine hohe Bedeutung zu – mit ebenfalls knapp 60 Prozent sehen sie sich hierzu auch fähig. In Deutschland ist die Relevanz ebenfalls bei 60 Prozent, die eigene Kompetenz wird mit 20 Prozent jedoch deutlich geringer eingeschätzt.

Kundenbindung und -zufriedenheit gelten weiterhin als Schlüsselthemen

Insgesamt haben deutsche Banken Kundenbedürfnisse weiterhin im Fokus: Wenn auch etwas schwächer bewertet als im letzten Jahr sind sie einer der Hauptbeweggründe für die digitale Bankenrevolution. Einhergehend damit wurde dieses Jahr auch die Steigerung der Kundenloyalität als wesentlicher Treiber benannt. Um über 10 Prozent gestiegen ist die Bewertung der Steigerung der Profitabilität durch die Umstellung auf das Digital Banking – ein Ergebnis, bei dem Deutschland 5 Prozent über dem Durschnitt liegt. Neben dem Kunden spielt also auch der Kostenfaktor eine wesentliche Rolle. More…

Andreas Ebner

Banking-as-a-Service: Die EU-Zahlungsdienstrichtlinie PSD2 eröffnet Banken neue Geschäftsfelder

Die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 (Payment Service Directive) ist viel mehr als nur eine neue Regulierung: Sie ist die Vorbotin der digitalen Revolution im Zahlungsverkehr, die den europäischen Finanzmarkt kräftig aufmischen wird.

Kernelement ist die Vorschrift Access to Account (XS2A), die Banken verpflichtet, Drittanbietern unentgeltlich Zugang zu den Kontoinformationen ihrer Kunden zu gewähren. Mit dieser Öffnung des Zahlungsverkehrs für Nicht-Banken taucht eine Vielzahl neuer Zahlungsanbieter am Markt auf. Und mit ihnen werden viele neuartige Finanzplattformen, innovative Apps und Services entstehen. Bankkunden werden davon profitieren, denn sie haben freie Auswahl – nicht nur bei Banking-Anwendungen, sondern vor allem auch bei den Anbietern.

Auf den ersten Blick scheint es so, als ob davon nur FinTechs profitieren, während die zwangsweise Offenlegung ihrer Infrastruktur für die Banken einen enormen Mehraufwand und zusätzlichen Kostenfaktor darstellt, den sie nicht monetarisieren können. Doch mit der PSD2 fallen erstmals auch die neuen Mitbewerber unter die Regulierungsbestimmungen: etwa die „Account Information Service Provider“ (AISP). So nutzen die meisten Konsumenten heutzutage mehrere Konten – allerdings bei verschiedenen Kreditinstituten. Kontoinformationen abzufragen oder Transaktionen auszuführen ist meist nur über das Portal der jeweiligen Bank möglich. AISPs stellen für den Kunden die Daten sämtlicher Konten konsolidiert in einer Übersicht dar. Oder die „Payment Initiation Service Provider“ (PISP): Hier beauftragt ein Käufer nicht seine Bank als Intermediär, um eine Rechnung zu begleichen, sondern es wird ein Dienst direkt zwischen Käufer und Verkäufer geschaltet, der die Zahlungsabwicklung übernimmt.

Die Direktive ermöglicht es, Dienste für Kunden, andere Banken und Drittanbieter zu entwickeln, die es so bisher gar nicht gab. Diese Dynamik befördert den Wettbewerb und bietet auch für Banken zahlreiche Anknüpfungspunkte. Um das Feld nicht allein findigen Drittanbietern zu überlassen, müssen Banken allerdings jetzt handeln um sich möglichst frühzeitig als Finanzdienstleister des Vertrauens zu positionieren – für die eigenen Kunden genauso wie für die der Wettbewerber. More…

Marika Lulay

GFT Expertenbefragung: Digital Banking rund um den Globus angekommen

Die Neuauflage unserer Expertenbefragung hat eines klar gezeigt: Es gibt kaum noch Finanzinstitute, die sich über den digitalen Wandel keine Gedanken machen. Nahezu alle Banken befinden sich in der Entwicklung ihrer Digital-Banking-Strategie oder haben diese bereits abgeschlossen. Eine erfreuliche Prognose – doch seit unserer Befragung im letzten Jahr hat sich noch mehr getan – und es gibt Beispiele dafür, dass noch immer viel zu tun ist: Banken beklagen fehlende Kompetenz vor allem im Bereich Kundendatenmanagement.

260 Vertreter aus dem Retail-Banking, über die Hälfte von ihnen Experten aus dem mittleren und oberen Management, haben unsere Fragen rund um die Strategieentwicklung und -Implementierung, Erfolgsfaktoren und Barrieren des Digital Bankings und ihre Vorstellung von der Filiale der Zukunft beantwortet. Der Fokus lag auf Ländern mit GFT Standorten und ging daher weit über Europa hinaus: Vertreter aus Brasilien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Mexiko, Spanien und der Schweiz haben teilgenommen.

Das Thema Digital Banking scheint rund um den Globus angekommen: Lediglich 6 Prozent der Befragten sehen eine Strategieentwicklung (noch) nicht als Thema. Alle anderen befinden sich entweder mitten in der Entwicklungsphase (60 Prozent) oder haben ihre Strategie sogar bereits vollständig definiert (34 Prozent). Vollständig implementiert wurde die Strategie zwar erst von 13 Prozent der Institute, doch die Tendenz geht – wenn auch marginal – nach oben: Vor einem Jahr noch lag der Wert derer, die ihre Strategie bereits eingeführt und umgesetzt haben, bei 7, heute bei 9 Prozent.

db_1Sicherheit, Regulatorik und IT-Integration als Hauptbarrieren

Schwierigkeiten bereitet vor allem das Thema Sicherheit. Vor einem Jahr noch auf Platz sechs, wurde der Sicherheitsaspekt in diesem Jahr länderübergreifend als ausschlaggebende Barriere eingestuft. Außerdem zu schaffen machen den Banken die von uns oft adressierten Aspekte Regulatorik und Compliance. Auch diese werden dieses Mal deutlich relevanter eingestuft als noch 2015. Ebenfalls eine Hürde: die IT-Integration in bestehende Systeme und Landschaften, die das Digital Banking natürlich erst ermöglicht. More…

Ernst-Oliver Wilhelm

2016: Eine neue Hoffnung für unseren Weg in die digitale Gesellschaft?

Mit der digitalen Durchdringung unserer Gesellschaft bis in den letzten Winkel und der damit verbundenen Verdichtung von personenbezogenen Daten entstehen große Möglichkeiten und Freiheiten. Nicht zu verschweigen sind aber auch neue Abhängigkeiten und Risiken, mit denen wir erst lernen müssen, angemessen umzugehen. Das Ringen um diesen adäquaten Umgang wird vor allem in der Auseinandersetzung mit Fragen der IT-Sicherheit und des Datenschutzes spürbar.

Dragon_in_the_darkMindestens 40 Prozent der Wertschöpfung weltweit basiert schon heute auf der Informations- und Kommunikationstechnologie. Durch die immer rasantere Entwicklung und Anwendung von technologischen Innovationen wird sich dieser Prozentsatz vermutlich bereits in naher Zukunft deutlich erhöhen. Mit der Verdichtung von personenbezogenen Daten geht auch eine drastische Steigerung der gesellschaftlichen und ökonomischen Nachfrage dieser Daten einher. Schätzungen der Europäischen Kommission zufolge haben allein die personenbezogenen Daten von Bürgern in Europa das Potential bis 2020 auf einen Wert von nahezu 1 Billion Euro jährlich zu wachsen.

Dabei hat es den Anschein, als wäre in den Anfängen der Informationsgesellschaft aus einem in einer dunklen Ecke liegenden Ei ein unscheinbares Wesen geschlüpft, welches unbemerkt im Schatten der leuchtenden Versprechen der Digitalisierung zum Drache aus dem Dunkeln herangewachsen ist – der den unachtsamen Wanderer in den digitalen Gefilden jederzeit zu verschlingen droht.

Die Bedrohungslage nicht im Griff?

Im aktuellen Lagebericht des BSI werden eine Reihe von kritischen Risiken im Bereich der IT-Sicherheit hervorgehoben:

  • die abnehmende Bereitschaft einiger IT-Hersteller für relevante Sicherheitslücken in ihren Produkten Patches bereitzustellen
  • der deutliche Anstieg der Angriffe auf industrielle Produktionsanlagen
  • die allgemein unzureichende Berücksichtigung der IT-Sicherheit bei der Digitalisierung

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Filiz Sarah Gärtner

FinTech Serie | feelix – der digitale, automatisierte Finanzplaner

Ein weiteres FinTech stellt sich vor: Mit feelix können Kunden ihre Finanzplanung automatisieren und ihre bestehenden Finanz- und Versicherungsverträge digital managen. Das Startup hilft außerdem dabei, Schwachstellen im Kleingedruckten der Verträge aufzudecken und zeigt, an welcher Stelle Geld gespart werden kann. Tilo Hammer, Gründer und Geschäftsführer erzählt uns im Interview alles über seine innovative Plattform und die Vorteile für den Nutzer.

Was genau verbirgt sich hinter feelix – wie ist die Idee dazu entstanden?

Tilo Hammer, Geschäftsführer bei feelix

Tilo Hammer, Geschäftsführer bei feelix

Tilo Hammer: Durch meine Ausbildung zum Bankkaufmann und die mehr als zehn Jahre Berufserfahrung, die ich in der Welt der Banken und Versicherungen gesammelt habe, kam ich recht früh auf den Gedanken, Verbrauchern einen einfacheren Zugang zu ihren Finanzen zu ermöglichen. Das Potential, welches das Online-Zeitalter dann nach und nach bot, ließen schließlich die Idee „feelix“ in mir reifen.

feelix ist eine Art digitaler Vertragsordner. Nutzer können alle bestehenden Finanzverträge kostenlos verwalten und optimieren, d.h. Versicherungs-, Geldanlage-, Strom-, Gas-, Telefon- und Kreditverträge. Mittels eines automatisierten Vertragschecks analysiert feelix die Situation des Kunden, zeigt wo sich Schwachstellen im Kleingedruckten seiner Verträge befinden, wo er Geld sparen kann, wo Absicherungen fehlen oder wo er überversichert ist. Zum Vergleich der Finanzverträge greifen wir auf eine Datenbank mit über 8.000 historischen und aktuellen Tarifen zurück. Ein solches Produkt hat aktuell niemand am Markt, denn im Gegensatz zu klassischen Vergleichsportalen bezieht es eben nicht nur aktuelle, sondern auch ältere Tarife mit ein. Zeigt der Vertragscheck, dass der Nutzer mit einem neuen Tarif besser dran wäre, kann dieser auch direkt in der feelix App abgeschlossen werden. Wir haben derzeit rund 10.000 Finanzprodukte im Portfolio. Fragen und Beratungswünsche kann der Kunde zudem persönlich via Live-Chat klären. Damit bieten wir ein Rundum-Service für das Management von Finanzverträgen. Ziel ist, dass die Nutzer ihre finanzielle Situation besser verstehen und selbst kontrollieren können. feelix funktioniert als App auf Smartphone und Tablet, aber auch als Browser-Version auf dem Computer.

Arbeiten Sie mit etablierten Banken oder entsprechenden Unternehmen zusammen?

Tilo Hammer: Natürlich, wir haben eine ganze Reihe von Partnern, um unseren Nutzern ein möglichst umfangreiches Produktportfolio zu bieten. Wie gesagt, mit feelix können Sie nicht nur Finanzverträge verwalten und vergleichen, sondern auch neue Produkte direkt in der App abschließen. Wenn der Vertragscheck beispielsweise ergibt, dass Sie mit einer neuen Hausratversicherung deutlich besser fahren, können Sie mit nur wenigen Klicks direkt wechseln. Aktuell stehen rund 10.000 Finanzprodukte von über 400 Kooperationspartnern zur Verfügung – darunter 296 Versicherungen, 21 Bausparkassen, 44 Private Krankenversicherungen, 1089 Stromanbieter, 51 Banken, 81 gesetzliche Krankenkassen, 441 Gasanbieter und 41 Mobilfunkanbieter. More…