Burkhard Koch

MaRisk-Novelle – was rollt da auf uns zu?

Nachdem die letzte Novelle der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) der Bundesanstalt für Finanzdienstleitungsaufsicht (BaFin) mehr als drei Jahre zurückliegt, sind jüngst Konsultationen einer Novellierung gemeinsam mit der Deutschen Bundesbank beendet worden. Damit wird eine neue Verwaltungsanweisung für die bereits in zahlreichen Bereichen herausfordernden Umsetzungsprojekte befindlichen Marktteilnehmer aus der Finanz- und Versicherungsbranche immer wahrscheinlicher. Erste Tendenzen sind bereits jetzt absehbar und lassen die Marktteilnehmer aufhorchen.

Vermehrt finden internationale Papiere Eingang in die MaRisk. Dies sind insbesondere:

  • „Grundsätze der Risikoaggregation von Risikodaten und Risikoberichterstattung“ des Baseler Komitees für Bankenaufsicht (BCBS 239)“
  • Supervisory Review and Evaluation Process (SREP)
  • Risikokulturpapier des Financial Stability Board (FSB)

Pfeil von einem Kompass zeigt auf Risikomanagement Konzept

Das Kreditwesengesetz § 25a (KWG) stellt die Basis für die MaRisk dar. Die MaRisk weist dabei Leitplanken auf, innerhalb derer sich die Marktteilnehmer bewegen. Eine konkrete Ausgestaltung, analog angelsächsischer Gesetzgebung, wird hierbei bewusst vermieden. Aus diesem Grund haben Novellen Seltenheitscharakter. Im Jahr 2007 standen Regelungen zum Outsourcing im Focus, im Jahr 2009 folgten als Reaktion auf die Finanzmarktkrise Konkretisierungen an die Vergütungssysteme sowie aufsichtsrechtliche Anforderungen zum Stresstest, zum Liquiditätsrisiko und zu Risikokonzentrationen. Bei den vor wenigen Tagen abgeschlossenen Konsultationen zur Novellierung deuten einige Zeichen auf einen Schwerpunkt beim Risikomanagement hin. Aus dem Blickwinkel der Aufsicht sind einige Themenfelder hierzu bisher nicht bzw. nicht explizit in den MaRisk geregelt. Dies soll sich offenbar künftig ändern. Neben einigen sprachlichen Klarstellungen bzw. konkreteren Beschreibungen stehen folgende wesentliche Neuerungen an:

  • Management von Risikodaten
    Systemrelevante Institute müssen Risikodaten angemessen managen: Daten müssen identifiziert, zusammengeführt und ausgewertet werden können. Die Risikodaten müssen vollständig und nach unterschiedlichen Kategorien auswertbar sein sowie die Datenqualität überwacht und mit anderen Informationen plausibilisiert werden. Darüber hinaus müssen die Institute über relevante Daten auch in Stresssituationen zeitnah verfügen können. Diese Regelungen sind den BCBS 239 entnommen und führen zu umfassenden Änderungen in der IT.
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Annabelle Seibt

FinTech Serie: Crowdlending mit kapilendo

Unsere Blogserie zum Thema FinTechs geht in die nächste Runde. Dieses Mal steht Christopher Grätz, Co-Founder und CEO der kapilendo AG, Rede und Antwort. Kapilendo ist ein Online-Kreditmarktplatz, der sich an kleine und mittelständische Unternehmen richtet. Im Interview erzählt Christopher Grätz mehr über die Idee hinter kapilendo.

Christopher Grätz, Co-Founder und CEO der kapilendo AG

Christopher Grätz, Co-Founder und CEO der kapilendo AG

Was genau verbirgt sich hinter kapilendo?

Christopher Grätz: kapilendo ist ein Online-Kreditmarktplatz, der kleinen und mittelständischen Unternehmen eine unbürokratische und günstige Finanzierungsmöglichkeit durch private Anleger eröffnet. Wir vermitteln Kredite zwischen 30.000 und 2,5 Millionen Euro. Privatanleger können sich mit einem Betrag zwischen 100 und 10.000 Euro an den bankenunabhängigen Kreditprojekten beteiligen. Die zu erzielenden Renditen liegen zwischen 2,49 Prozent und 10,99 Prozent.

Wie ist die Idee zu kapilendo entstanden?

Christopher Grätz: Nach Bankausbildung und BWL-Studium habe ich 2010 bei KPMG im Bereich Financial Services, Strategy & Operations angefangen. In den vier Jahren bei KPMG habe ich viele Banken von innen gesehen und festgestellt, dass die meisten Geldhäuser in unserer digitalen Zeit ein stückweit manövrierunfähig geworden sind. Häufig geht es dort nur um Umstrukturierungen und Kosteneinsparungen. Der Kunde ist nicht mehr im Fokus. Es war offensichtlich, dass man die Dinge anders angehen muss. Zusammen mit der Berliner Comvest Holding hatten wir die Idee, Kunden, also Kreditnehmer, und private Anleger näher zusammenzubringen – ohne dass eine Bank dazwischen geschaltet ist. Es ging uns nicht darum, das Produkt der Finanzierung per Kredit neu zu erfinden, sondern es modern und digital zu gestalten. So entstand das Geschäftsmodell der kapilendo.

An wen richtet sich Ihre Lösung – wem nützt sie?

Christopher Grätz: Kapilendo richtet sich an kleine und mittelständische Unternehmen, die auf der Suche nach einem Kredit sind und ihren Finanzierungsmix erweitern möchten sowie an Privatanleger, die ihr Geld selbstbestimmt, transparent und festverzinslich anlegen möchten. Eine Win-win-Situation für beide Seiten. More…

Oriol Pujol

Warum MiFID II für die eine oder andere Überraschung sorgen könnte…

Während Unternehmen sich weiterhin damit bemühen, MiFID II zu verdauen, muss man sich die Frage stellen, ob der Markt all die möglichen Auswirkungen, die MiFID bereit hält, wirklich richtig voraussieht.

Die allgemeine Annahme ist, dass MiFID II/R die Vorhandelstransparenz erhöhen sowie den OTC-Handel signifikant reduzieren und auf die am wenigsten liquiden, dafür mehr maßgeschneiderten Produkte reduzieren wird.

Diese Annahme wird zum Großteil getrieben von der gemeinsamen Einführung der verpflichtenden Market-Making-Agreements, einer strengeren Interpretation der Systematic Internalisation  sowie der Einführung der Trading Obligaitons für Investmentgesellschaften.

Nichtsdestotrotz ist es ziemlich wahrscheinlich, dass der Markt die Effektivität dieser Maßnahmen überschätzt – und zwar aufgrund einer Reihe von Punkten, auf die ich im Folgenden genauer eingehen werde. Eine Schlüsselrolle kommt dabei der Definition (oder besser gesagt deren Mangel) von „OTC“ in MiFID II/R zu.

In Hinblick auf die Kürze des Beitrags, wird die Diskussion in den Kontext von nicht-derivaten Instrumenten gebettet. Auf derivate Instrumente werde ich hinsichtlich ihrer Feinheiten (OTFS, Clearing, etc.) gesondert eingehen.

Market-Making-Agreement und Central Limit Orderbooks

In Bezug auf die Einführung von verpflichtenden Market-Making-Agreements, betreffen die Pflichten all jene Unternehmen, deren Modell auf die Bereitstellung von Liquidität in Central Limit Orderbooks basiert. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme wird gegebenenfalls von diesen Punkten beeinflusst: More…

Annabelle Seibt

FinTech Serie: Clever sparen mit Savedo

Für den nächsten Teil unserer FinTech Serie haben wir uns mit Christian Tiessen, Gründer und Geschäftsführer von Savedo, unterhalten. Savedo ist eine Online-Plattform für Finanzprodukte, die deutschen Sparern den Zugriff auf hohe Zinsen aus ganz Europa ermöglicht.

Was genau verbirgt sich hinter Savedo – wie ist die Idee dazu entstanden?

Christian Tiessen: Savedo ist ein Online-Finanzmarktplatz für Sparanlagen aus ganz Europa. Die Zinsen auf Anlageformen wie Tages- oder Festgeld sind derzeit in Deutschland gleich Null. In anderen EU-Staaten stellt sich die Situation ganz anders dar. Warum sollten sich also Sparer mit den mickrigen Zinsen hierzulande zufriedengeben, wenn in unseren Nachbarländern viel bessere Renditen warten? Aus der bescheidenen Sparsituation wuchs unser Ziel, eine moderne Plattform für Sparprodukte aufzubauen, die hohe Zinsen aus ganz Europa nach Deutschland, Österreich und seit kurzem auch in die Niederlanden bringt.

Christian Tiessen, Gründer und Geschäftsführer von Savedo

Christian Tiessen, Gründer und Geschäftsführer von Savedo

An wen richtet sich Ihre Lösung – wem nützt sie?

Christian Tiessen: Finanzprodukte wie Tagesgeld oder Festgeld gehören zu den beliebtesten Sparformen in Deutschland. Rund zwei Billionen Euro haben Sparer aktuell auf diese Weise bei deutschen Banken angelegt. Trotz der Niedrig- und Nullzinsen auf Bankeinlagen halten die meisten Menschen an ihrer Sparstrategie fest. Sicherheit geht vor Rendite, heißt das Motto. Wir orientieren uns an den Sicherheitsansprüchen der Menschen und bieten zusammen mit unseren europäischen Partnerbanken genau jene Finanzprodukte an, die in Deutschland stark nachgefragt werden: Festgeld und bald auch Tagesgeld. Nur dass bei uns eben die Zinsen deutlich über dem deutschen Durchschnitt liegen.

Was macht Savedo besonders innovativ? Welche Technologie steckt dahinter?

Christian Tiessen: Das zentrale Tool für unsere Kunden ist das Savedo-Konto. Dieses unterscheidet sich von gewöhnlichen Girokonten dadurch, dass hierüber alle von uns und unseren Partnerbanken angebotenen Finanzprodukte verknüpft sind. Über ein einziges Referenzkonto können Anleger damit unkompliziert in Sparprodukte verschiedener Banken investieren, ohne hierfür ihre Bank wechseln oder zusätzliche Referenzkonten eröffnen zu müssen. Die Produkte verschiedener Banken sind alle über dieses zentrale Savedo-Konto zugänglich – ein entscheidender Vorteil für unsere Kunden und der Charme unseres Geschäftsmodells. More…

Andreas Kopp

Neues Projekt in der Versicherungsbranche: Modernisierung eines Kernsystems

VIAS 2.0 – hinter diesem Namen verbirgt sich nicht etwa eine neue Kreditkarte, sondern ein Großprojekt, das GFT vor kurzem gewonnen hat. Worum es geht? Die Modernisierung eines Kernsystems in der Versicherungsindustrie, so dass dieses branchenspezifische und regulatorische Anforderungen erfüllen kann. Damit kommen spannende technische und konzeptionelle Aufgaben auf unser Team zu.

Kurz gesagt steht das Projekt rund um die Individualsoftware VIAS 2.0 für die Um- und Neugestaltung des Kernsystems unseres Kunden auf zwei Ebenen. Zum einen muss das neue System auf modernen Technologien basieren, wirtschaftlich rentabel und vor allem auch zukünftig erweiterbar sein. Zum anderen müssen auch die regulatorischen Anforderungen der Branche umgesetzt werden können. Unser Kunde ist Teil der Dachorganisation der gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland. Seine Hauptaufgabe ist die Administration, Koordination und Ausführung von Kostenabrechnungen zwischen inländischen Krankenversicherungen und entsprechenden ausländischen Trägern.

Kunden in 50 Ländern: eine Vielzahl von Herausforderungen

Konkret kann man sich das dann so vorstellen: Sie verreisen als Deutscher nach Brasilien, werden krank und gehen dort zum Arzt. Die Rechnung dieses Arztes landet nach der Bearbeitung beim brasilianischen Krankenversicherungsträger letztlich auf dem Tisch unseres Kunden in Deutschland. Das gleiche gilt auch umgekehrt: Wenn ein italienischer Tourist ein deutsches Krankenhaus aufsuchen muss, stellt unser Kunde sicher, dass die Rechnung beim richtigen Counterpart in Italien landet. More…